Die Debatte um den Neubau der Altstadt Frankfurts hat die Künstlerin Bettina Pousttchi zu ihrem aktuellen Werk inspiriert: „Framework“ ziert derzeit die Schirn Kunsthalle Frankfurt.

Die Ostseite der Schirn Kunsthalle Frankfurt bekam von der Künstlerin Bettina Pousttchi ein neues Gewand: In verschiedenen Variationen verknüpfte sie Elemente von zwei Fachwerkhäusern mit orientalischen Stilelementen. Auf diese Weise entstanden Ornamente, die sie auf 800qm selbstklebende Folie druckte und an die Schirn klebte. 64 Fenster der Rotunde und 67 Fenster der Ostfassade erscheinen nun in dem neuen Design.

Titel der Installation: „Framework“

Der Titel des Werks, „Framework“, bezieht sich nicht nur auf die architektonische Bedeutung, sondern auch auf unterschiedliche kulturelle Systeme. Die Arbeit ist Pousttchis Kommentar zur Altstadt-Debatte. Bei dem Neubau der Altstadt werden Fachwerkhäuser zwischen Dom und Römer, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren, wieder aufgebaut.
Die Künstlerin interpretiert dies so, dass man Geschehenes ungeschehen machen möchte. Sie vertritt dagegen die Ansicht, dass die Zerstörungen in der kollektiven Erinnerung beibehalten werden sollen um eine Sensibilität dafür zu erreichen, dass so etwas nicht noch einmal geschieht: „Man kann die Geschichte nicht umschreiben. Die Wunde, die aufgerissen wurde, wird nicht geheilt, indem man hier eine neue alte Altstadt aufbaut. Es wird ein neues Stadtviertel gebaut mit modernen Methoden aus Beton und Stahl. Das einzige, was übrig bleibt, ist noch die wirkliche Fassade, die aussehen soll wie alt“, sagt sie.

Fotografie als Medium

Die Fotografie ist Pousttchis Spezialgebiet. Sie fasziniert die vielschichtige Einsetzbarkeit der Fotografie zur Aufzeichnung, Erinnerung und Illusion. Damit fügt sich die Installation auch in die aktuelle Ausstellungslandschaft Frankfurts ein: „Making History“ ist eine Fotografieausstellung, die sich ebenfalls mit Geschichts-Bildern beschäftigt, die unsere Wahrnehmung und unser Verständnis von geschichtlichen Ereignissen prägen. Pousttchis Arbeit „Framework“ macht den Versuch alle Ebenen einfließen zu lassen. Symbolisch für die Erinnerung stehen beispielsweise Elemente zweier schon bestehender Fachwerkhäuser.

„Framework“ wird noch bis zum 17. Juni 2012 an der Schirn Kunsthalle Frankfurt zu sehen sein.