Die „Rickmer Rickmers“ ist ein schwimmendes Wahrzeichen der Hansestadt und zieht als solches jedes Jahr zahlreiche Besucher nach St. Pauli, genauer gesagt an die Landungsbrücken, in deren Nähe der Segler vor Anker liegt.

Der 97 Meter lange und 12,20 Meter breite Windjammer „Rickmer Rickmers“ trägt den Namen des Enkels des Firmengründers, der auch als Vorbild für die Galionsfigur diente, die bis heute den Bug des Schiffes schmückt. Den Namen, den die „Rickmer Rickmers“ bei ihrer Erbauung erhalten hatte, musste sie im Laufe ihrer wechselhaften Geschichte jedoch mehrmals gegen andere eintauschen. Sechs Jahrzehnte lang war sie auf den Weltmeeren unterwegs gewesen, bevor sie zwanzig Jahre in einer Werft ruhte und schließlich nach Hamburg geschleppt wurde, um hier als Museums- und Denkmalschiff zu neuem Glanz zu finden.

Die Geschichte der „Rickmer Rickmers“

Die Geburtsstunde der „Rickmer Rickmers“ schlug 1896: Aus Stahl und Querspanten wurde das Vollschiff in einer Bremerhavener Werft gebaut und im August besagten Jahres in den aktiven Dienst übergeben. Ihr erster Kommandeur war Kapitän Hermann-Hinrich Ahlers, der den Segler mit seiner 25-köpfigen Besatzung nach Hongkong dirigierte, um von dort Reis und Bambus einzuschiffen. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte unternahm die „Rickmer Rickmers“ viele lange Reisen, von denen nicht jede unglücksfrei verlief, bis sie 1912 an eine andere Rederei verkauft wurde.

Doch ihre Reisen unter dem Namen „Max“ hielten nicht lange an, denn schon 1916 wurde das Schiff während einer Fahrt durch die Azoren von den Portugiesen konfisziert, an England übergeben und erneut umbenannt. Die „Flores“diente fortan als Transportschiff für Kriegsmaterialien, bis sie nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wiederum den Portugiesen vermacht und im Anschluss zu einem Schulschiff umgebaut wurde, auf dem Kadetten das Leben auf See kennenlernten. Nun unter dem Namen „Sagres“ diente der mittlerweile mit Hilfsmotoren ausgestattete Dreimaster noch bis 1962, wurde dann ausgemustert und fand in einer Werft eine vorläufige Ruhestätte.

Die „Rickmer Rickmers“ als Museumsschiff in Hamburg

Als 1974 einige Hanseaten den Hamburger Hafenverein gründeten, läutete dies für die „Rickmer Rickmers“ das nächste Kapitel ihrer Geschichte ein. Der „Windjammer für Hamburg“ e.V. suchte unter der Führung von Wilhelm „Fiete“ Schmidt nach einem Tiefwasser-Segler, der in Hamburg als schwimmendes Museum dienen könnte. Und so kam es, dass die „Rickmer Rickmers“ in die Hansestadt geschleppt, am 07. Mai 1983 offiziell an den Verein übergeben und in der Folgezeit sorgfältig restauriert wurde.

Seit 1987 ist das Museumsschiff ganzjährig für Besucher zugänglich, die in dessen Inneren unter anderem die alte Dampfmaschine sowie den Dieselmotor besichtigen und im bordeigenen Restaurant speisen können. Mehr als ein Jahrhundert nach ihrer Erbauung hat die „Rickmer Rickmers“ hier in Hamburg ein zu Hause gefunden, in dem sie für ihre historische Schönheit wertgeschätzt wird, und längst gehört die Silhouette des Dreimasters zum Hamburger Stadtbild wie der Michel oder die Fassade der Speicherstadt. Wer also ohnehin einen Ausflug nach St. Pauli plant, sollte diesen kleinen Umweg auf sich nehmen, um hier ein wenig historische Luft schnuppern zu können.