Als ich gelesen habe, dass bei uns in Hamburg nichts – oder nicht soviel – davon zu spüren ist, dass wir mit unserer Nationalelf mitfiebern, musste ich mir gleich selber ein Bild machen.

Mittwoch Abend, St. Pauli, Hambug. Meine Freundin und ich schlendern gelangweilt über die Reeperbahn, am Straßenrand sitzen gelangweilte Fans, ein Betrunkener schläft auf einer Bank und verpasst damit sogar den Anpfiff.
Nach dem Unentschieden hatte ich mit dem Spiel – und der dazu gehörigen Party – schon abgeschlossen und wie Frauen das nunmal so machen, spazierten wir zur nächsten Bar, um auf Toilette zu gehen.
Wir stehen gerade an – da bricht auf einmal tosender Applaus aus, vor dem Fenster ergießt sich ein Schwall Freude, die Straße scheint zu beben und zu virbrieren.

Aber nach dem Tor in allerletzter Minute scheint ein gewaltiger Orgasmus durch die Masse zu gehen, alles jubelt, schreit, umarmt sich. Euphorisiert jubeln sogar die Türken mit uns und auch meine Freundin und ich können nicht an uns halten, ausgelassen und völlig selbstvergessen feiern wir unseren Einzug in das Finale.
Und auch Stunden später ist der Kiez voll von feiernden, glücklichen Fans. Ich habe bis um vier durchgehalten, dann siegte mein Verstand, der mich unangenehm daran erinnerte, dass ich in der Früh ja wieder aufstehen muss.

Dabei verlief die ganze Geschichte beinahe komplett ohne Probleme: Die Deutschen und Türken haben friedlich zusammen gefeiert und wie ein türkischer Fan betont: ,,Wir freuen uns für Deutschland! Zwar kommen wir aus der Türkei, aber leben tun wir hier. Somit haben wir zwei Länder, die wir bejubeln können.“ Und die Meinung eines Außenstehenden: ,,Ich glaube, die EM leistet mehr Integrationsarbeit als die Politik in den ganzen letzten Jahren!“ – Ein voller Erfolg also! Zumindest kann ich da für Hamburg sprechen.

Ich hoffe, ich habe euch allen schmackhaft gemacht, am Sonntag mit uns auf der Puplic Viewing in Hamburg dabei zu sein, wenn es um die sprichwörtliche ,,Wurst“ geht. Wir – die absolut kein Interesse an Fußball haben, wie ich zu unserer Schande gestehen muss – werden auf jeden Fall wieder mit dabei sein!