Vor sieben Monaten ist in Hamburg ein 16jähriges Mädchen erstochen worden. Morsal war Deutsch-Afghanin und wurde von ihrem 24jährigen Bruder brutal ermordet.

Ich kann mich noch sehr gut an dieses Tötungs-Delikt erinnern, da ich Tags darauf in der Gegend, St. Georg, unterwegs war. Fernsehteams wuselten herum, Passanten wurden belästigt (ich wähle mit Bedacht das Wort ,,belästigt“ und nicht ,,befragt“) und ich erinnere mich noch gut an schmierige, übergewichtige Moderatoren (von namhaften Fernsehsendern, die ich jetzt lieber nicht öffentlich betitel), die auf der Suche nach einer guten Story gewesen sind. Das Blutbad war eine Tragödie und wurde von den Medien wie von Aasgeiern zerfetzt.

Und jetzt laufen endlich die Verhandlungen um den Mörder, dem eigenen Bruder des Mädchens. Es ging um Ehrenmord, ließen damals sämltiche Schlagzeilen verlauten. Ehrenmord, weil sie sich nicht der Religion entsprechend würdig verhalten hatte. Ein deutscher Freund war im Gespräch gewesen. Unter anderem sollten sogar die Eltern mit involviert gewesen seien. Ich sag´s ja: Die Aasgeier haben das Ganze so lange ausgeweidet, bis wirklich jedes Wort dazu gesagt wurde.

Jetzt heißt es allerdings, dass auf Todschlag plädiert wird, der Junge den Mord nicht geplant, sondern im Affekt gehandelt habe. Er würde unter einer Persönlichkeitsstörung und unter Gewaltausbrüchen leiden. Deshalb dürfe man Mord nicht in Betracht ziehen. Allerdings habe er die junge Frau tagelang vorher schon getreten, geschlagen und offensichtlich gequält, bevor er sie in der Nacht zum 15. Mai heimtückisch in eine dunkle Ecke lockte und sie niederstach. Und das soll nicht geplant gewesen sein? Eine Affekthandlung?
Wer´s glaubt. Wahrscheinlich wird die Verhandlung jedoch eh erst am 13. Februar fortgesetzt werden. Auch die Welt berichtet darüber.