In einer Stadt ist man zuhause, wenn man alle ihre Flecken kennt. Stimmt´s? Nicht unbedingt. Denn weniger die Flecken einer Stadt sind es, sondern mehr die Menschen, die das Heimatgefühl auslösen.


Ich wohne seit vier Jahren in der Hafen-Stadt Hamburg. Doch zuhause oder gar heimatlich gefühlt habe ich mich hier bisher nie. Ich habe verschiedene Stadtteile ausprobiert, verschiedene Wohnungen und Mitbewohner 😉 , aber so richtig ankommen wollte ich nirgends so recht.

Nun wohne ich seit zwei Jahren neben einem großen Park. Dort gibt es einen kleinen See, auf dem ein Schwanenpaar und viele Entlein wohnen. Letztens ging ich also mit Kind und Kegel dort spazieren und wir setzten uns auf eine Bank vor dem See. Und was sahen wir da? Einen Mann in abgewetzten Jeans, Kippe im Mundwinkel, Dreitagebart und wettergegerbter Haut, der die Angel schwang.

Genau. Eine Angel. In dem See wohnen nämlich auch Fische.
„Ich hab hier schon als Kiddie geangelt“, hat uns der Mann dann erzählt. Und dass er fast jeden Tag hier ist, ein paar Bier trinkt, angelt und raucht, während hinter den Wänden der großen Häuser die Sonne verglüht.
„Ich kenn den Besitzer schon ewig. Er hat mir das Angeln beigebracht.“, redet er weiter, während er Garn zwischen seinen Fingern schnürt und uns dann und wann ein Lächeln zuwirft.

Er ist der König des Parks. Hier groß geworden kennt er jeden Stein, jeden Strauch und jeden Fisch beim Namen. Hier ist er zuhause. Ich frage mich, weshalb er nie zu einem größeren See gefahren ist, wenn er so gerne angelt. Wie er sich mit einem popeligen Stadtparkteich zufrieden geben kann. Aber eigentlich kenne ich die Antwort: Weil er hier der Größte ist. Hier hingehört. Weil er hier derjenige ist, dem Fragen gestellt werden und der großspurig Antworten verteilt wie ein König das Brot. Dabei meine ich das gar nicht so abfällig, ganz im Gegenteil. Es war ein netter, alter Mann.

Und als ich aufstand, um nach Hause zu gehen, da fühlte ich mich etwas aufgehobener. Heimeliger. Ich hatte jemanden kennen gelernt, der zu diesem Park gehört wie der blühende Fliederbaum vor meinem Fenster. Er gehört hier mehr hin, als die grillenden Studenten oder die joggenden Juppies. Er ist das, was man mit Worten nicht benennen kann.

Aber ich denke jedes mal daran, wenn ich an lauen Abenden am See spazieren gehe und ihn beobachte, wie er die Angel schwingt und wieder einholt, schwingt und wieder einholt….

mehr zu den Parks Hamburgs findet ihr hier.