Wenn der Staat kocht – Essen fassen in der Betriebskantine des Zivilgerichts Hamburg

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Mittagstisch in der Ziviljustiz-KantineEhrfürchtig stolpern wir die Korridore des Zivilgerichts am Hamburger Sievekingplatz entlang. Unsere Mienen sind so grau wie die sanierungsbedürftigen Tapeten, aus offenstehenden Türen mustern uns abschätzig und müde dreinblickende Aktenwühler. Unser würdeloses Verbrechen: wir wollen in die Betriebskantine.

Service wird groß geschrieben

Missbilligenden Blickes möchte die Kassiererin wissen, weshalb ich denn da bitteschön Kartoffeln auf meinem Reisteller mit Schweinefiletstreifen liegen habe. Beschwichtigend versuche ich die Individualität meiner Auswahl mit dem Einlenken des Küchenazubis zu begründen, welcher nach kurzer Überzeugungsarbeit gerne bereit war, meinen überwältigenden Hunger mit zusätzlichen Salzkartoffeln zu würdigen. „Vier Euro Neunzig“, nuschelt mir die betagte Staatsangestellte mit strenger Mimik wahrlich gönnerhaft entgegen.

Exklusives Ambiente lockt

Im obersten Stockwerk des anmutenden Justizgebäudes öffnet sich das „Betriebsrestaurant“ des Zivilgerichts auch externen Hungernden. In luftiger Höhe mit Blick auf die vernebelten WKII-Bunkeranlagen auf dem Heiligengeistfeld kommt der unverwechselbare Charme der Beamtenbürokratie auch kulinarisch voll zur Geltung: es gibt deutsche Hausmannkost, vom optisch einem Sumpftümpel gleichendem Linseneintopf, über den wohlduftenden Hackbraten bis hin zu Leberläse mit Spiegelei, welcher einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Bezahlbar ist das Ganze auch – durchschnittlich drei bis fünf Euro verlangt die Justiz für eine ordentliche Mahlzeit.

Individualität besticht

Das besondere i-Tüpfelchen verleiht man diesem Pausenhof der Strafjustiz aber selbst – im Gespräch über die Verwendung von unrechtmäßigen Webseitenimpressen, Markenrechtsverletzungen oder DDoS-Hackerangriffe – wohlwissend die Aufmerksamkeit einer ganze Tischreihe zu genießen, um den deftigen und erfreulicherweise auch sättigenden Mittagstisch schließlich mit dem ein oder anderen Witz lautstark abzurunden:

  • Fragt ein Beamter den anderen: „Hast Du meinen Bleistift gesehen?“ Antwort: „Der steckt hinter Deinem Ohr!“ Darauf der erste: „Mach´s doch nicht so schwer. Hinter dem rechten oder dem linken?“
  • Warum mögen Beamte keine Papiertaschentücher? Weil „Tempo“ draufsteht.
  • Geht ein Beamter zur Arbeit …

 

Bereit für ein tägliches Staatsbankett? Hier gibt’s den Speiseplan!

Betriebsrestaurant im Zivilgericht
Sievekingplatz 1
20355 Hamburg

Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 07:00 – 15:00 Uhr
Warme Küche von 11.15Uhr bis 14.30Uhr

Preise:
1,00 EUR bis 5,50 EUR

Foto: Redaktion

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