Verkehrte Welt in Berlin: Tausche Altbau gegen Plattenbau

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Jahrelang war es absolut schick im Altbau mit seinen abgeschliffenen Dielen und hohen, stuckverzierten Decken zu wohnen. In den Szenekiezen ist es inzwischen kaum noch möglich, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Neuerdings sind Besichtigungen von Wohnungen im Plattenbau dagegen extrem gut besucht. In Berlin herrscht verkehrte Welt!


Was reizt die Menschen auf einmal? Der Plattenbau ist ein vorwiegend aus Betonfertigteilen hergestelltes Gebäude. Im Gegensatz zum Altbau sind seine Fassaden nüchtern, schlicht und ziemlich langweilig. Über 20 Jahre lang wollte niemand in der Platte leben. In letzter Zeit ändert sich das in Berlin stark, die Platte ist begehrt wie nie!

Es beginnt mit einer Anzeige: Tausche Altbau gegen Plattenbau

Beim Surfen im Internet stoße ich auf eine Anzeige im Wohnportal „wg-gesucht“. Was ich da lese, überrascht mich. Eine junge Frau bietet ihre 65 qm Wohnung, die über abgezogene Dielen verfügt und frisch saniert ist, zum Tausch gegen eine Wohnung im Plattenbau an. Noch verwirrender ist, dass die Frau direkt am Mauerpark wohnt, im ruhigen Hinterhof. Die Wohnung in der Platte soll natürlich gleichwertig sein.

Und tatsächlich, immer mehr Kreative, Fotografen und Designer verschlägt es in die gute alte DDR-Platte. Vor zwei Jahren schon hatte ich mitbekommen, wie ein Teil meines kreativeren Bekanntenkreises in den Plattenbau gezogen ist. Ich konnte mich aber nicht so recht dafür begeistern. Ernst genommen habe ich es auch nicht. Der Altbau bietet einfach zu viele Vorteile. Die hohen Decken, die großzügig geschnittenen Räume, ja das ganze Klima, das in der Wohnung herrscht. Altbau ist lebendig, die Platte ist eher staub trocken.

Ein Zugeständnis gibt es. Das Wohnen im Altbau ist auch nicht mehr so, wie es früher einmal war. In den Szenekiezen sind Kaltmieten um die 10€ pro Quadratmeter mittlerweile üblich. Die Wohnungen haben durch die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen oft auch an Charme eingebüßt. Sie sind irgendwie Einheitsbrei geworden. Alles ist auf Modernität getrimmt. Kein Wunder also, dass junge Kreative, die sich die hohen Mieten ohnehin nicht mehr leisten können, in die Platte drängen. Die Wohnungen dort sind schließlich jahrelang vernachlässigt worden und haben ein ungeheures Potenzial! Was der Altbau nach der Wende war ist heute der Plattenbau.

Man zieht aus dem Altbau aus und hinein in den Plattenbau

Es gibt wohl kaum jemanden, der Lust hat, beinahe sein gesamtes Einkommen in die Miete zu stecken. Für diejenigen, die nach bezahlbarem Wohnraum suchen, wird es immer schwerer, noch etwas Brauchbares zu finden. Mittlerweile werden total verkommene Buden für horrende Mietpreise angeboten. Da ist die Platte günstiger. Das macht sie sogar richtig attraktiv! Zwar steigen auch hier aufgrund der gestiegenen Nachfrage die Preise, sie halten sich derzeit aber noch auf bezahlbarem Niveau.

Lange Zeit galt den Menschen die Architektur der Plattenbauten als zu abstrakt, trist und seelenlos. Gerade wegen ihres einheitlichen Erscheinungsbildes verkörpern sie das in Beton gegossene Ideal der DDR nach sozialer Gleichheit. Orientiert hat man sich für die „modernen“ Plattenbauten am Le Corbusierhaus, es gilt als ihr Prototyp.

Inzwischen haben den Trend zur Platte auch die Wohnungsbaugesellschaften in Berlin erkannt. So hat die WBS Berlin Mitte eine Webseite eingerichtet, die für das Leben in der Platte wirbt. So setzt sich der schon seit Jahren andauernde Retro-Trend eben im Plattenbau fort. Und wer zurzeit zu einer DDR-Neubau-Wohnungsbesichtigung in einem beliebten Viertel geht, der wird überrascht sein zu sehen, dass die Schlange voller Besserverdienender lang ist. Die springen ja bekanntlich auch irgendwann einmal auf den Trendzug auf. Neuerdings bedeutet hip sein in Berlin eben, in kleinen Zimmern, mit dünnen Wänden und niedrigen Decken zu wohnen. Mal schauen, was als nächstes kommt. Auf http://www.immobilien-real-estate.com/ erfahren Sie mehr zum Thema Immobilien.