Keine Session ohne Stunksitzung – noch gibt es Karten

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Wer den traditionellen Kölner Karneval zu dumm, spießig oder sonstwie unsympathisch findet, aber trotzdem nicht so ganz auf das närrische Treiben in der Domstadt verzichten will, der findet in der sogenannten „Stunksitzung“ eine echte Alternative. Bitterböse geht es dort zuweilen zu, und so klinkte sich auch schon einmal der WDR zensierend in die TV-Übertragung ein. Für die kommende Session sind derzeit noch Karten erhältlich.

1983 schlossen sich Studenten der Kölner Fachhochschule zusammen, um ein Alternativprogramm zum bieder organisierten Sitzungskarneval ins Leben zu rufen. Dass sie damit ein immenses Erfolgsmodell etablieren würden, war damals vermutlich keinem der Beteiligten klar. Am 26. Februar des Folgejahres gab es in der Alten Mensa der Uni zum ersten Mal jene respektlose Veranstaltung zu sehen, die bis heute unter dem Namen „Stunksitzung“ bekannt ist und inzwischen genauso zum Kölner Karneval gehört wie der Rosenmontagszug.

Bekanntestes Gründungsmitglied (als „Irokesen-Heinz“ bis 1995 Sitzungspräsident) ist der Kabarettist Jürgen Becker. Einige der provokantesten Scherze gingen über die Jahre auf sein Konto. Aber auch sonst sind die „Stunker“ nicht zimperlich. Getreu dem Motto: „Gegessen wird, was auf den Teller kommt“, macht das spottfreudige Ensemble auch vor heiklen Themen nicht Halt. Welt- wie Lokalpolitik stehen genauso auf dem Programm wie Bundeswehr und katholische Kirche.

Lieblingsopfer ist der Kölner Kardinal Meisner. 1992 hatte Becker diesen im Rahmen eines Sitzungsvortrags in derber Lustigkeit einfach mal als „Arschloch“ bezeichnet. Die TV-Übertragung im WDR verzerrte den Begriff elektronisch, und auch sonst mühte man sich beim Westdeutschen Rundfunk immer wieder, besonders umstrittene Witze außen vor zu lassen. Legendär geriet ein Sketch von 2006, bei dem der Papst und Meisner als Paar miteinander im Bett landeten – ein Beitrag, der nie in der Fernsehaufzeichnung zu sehen war.

Am 21. Dezember ist dieses Jahr Premiere des neuen Programms, das bis zum 16. Februar 2010 über 40 Mal zu sehen sein wird. Tickets gibt es zwischen 24 und 44 Euro.

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