Woran denken wir zuerst, wenn wir Hamburg nicht nur sagen, sondern auch meinen? Genau, die Kultviertel. Sternschanze. Altona. Reeperbahn. St. Pauli. Hier bündelt sich alles, was jung, bunt und gut ist. Hier wollen alle wohnen, studieren, leben…. jetzt ,,plant“ die Stadtverwaltung ein neues Kultviertel: Wilhelmsburg.

Wie bitte?! Werdet ihr jetzt bestimmt genauso wie ich schlucken. Wilhelmsburg ist wirklich nicht der beliebteste Stadtteil. Viele Migranten leben hier und irgendwie ist es hier dreckig, schäbig. Erinnert an eine ehemalige Villa, bei der der Putz abblättert und häßliche Narben in der Fassade hinterlässt.
Jeder kennt hier jeden, eigentlich fehlen nur noch die Kühe auf der Weide. Tatsächlich ist Wilhelmsburg aber ein Arbeiterviertel.

Es gibt viele junge Leute, die hierher ziehen, was auch das Fundament gießt für den Plan, aus diesem Teil der Stadt ein Kultviertel zu zaubern. Dabei soll sich der verschrobene Stadtteil an das Schanzenviertel orientieren und ihm nacheifern. Studenten ziehen in diesen unbeliebten Teil, weil die Mieten günstig sind und sich die meisten ,,mehr“ einfach nicht leisten können.

Dabei ist Wilhelmsburg aktiv: Eine der besten Schulen Hamburgs ist hier zu finden, damit der Auszug junger Familien endlich ein Ende findet. Soziale und kulturelle Projekte haben ihre Wurzeln in der Mitte des grauen Viertels. Wilhelmsburg soll außerdem ,,kreativ“ werden, Künstler sollen angelockt und zum Bleiben ,,überredet“ werden. Es soll bunt hier werden, kulturell und sympathisch wuselig, mit netten Cafés, schummrigen Buchläden und netten Nachbarn.

So sieht es zumindest der Plan der Stadtverwaltung vor, die eine ganze Subkultur hierher verpflanzen möchten. Doch die Subkultur selbst mag sich noch gar nicht so gern umtopfen lassen, die rümpfen weiter die Nase und bleiben skeptisch. Und die, die es probieren, hauen nach einer Weile wieder ab. Deshalb greift die Stadt in die Trickkiste, organisiert interessante Festivals mit ,,coolen“ Stars und macht nebenbei darauf aufmerksam, dass Wilhelmsburg auch kleine Berühmtheiten heran gezüchtet hat: beispielsweise den Regisseur Fatih Akin.

Ich find´s klasse. Ich habe mich schon oft darüber geärgert, dass Hamburg eigentlich nur in ihrer Innenstadt repräsentativ ist. Und in den restlichen Teilen gibt es eher mehrere Kleinstädtchen und Vereinchen, die sich zusammen geschlossen haben. Und warum aus einem verpönten, ungeliebten Stadtteil nicht einen Trendsetter machen? Immerhin kümmert sich unsere Hansestadt um solche Probleme und lassen den Stadtteil nicht sich selbst überlassen vor sich hinmodern….