Was hat sich Berlin im vergangenen Jahr gefreut, als die Freie Universität zur Elite-Universität erwählt wurde. Damit ist die deutsche Hauptstadt nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Wissenschaftsstandort auserkoren worden.

Das Sinken des Bildungsniveaus im internationalen Vergleich sowie die notorische Finanzknappheit an den deutschen Hochschulen waren ein nahrhafter Boden für eine Debatte über eine Bildungsreform. Um möglichst schnell wieder im internationalen Vergleich bestehen zu können, kam man auf die Idee Elite-Universitäten einzuführen, die mittels stärkerer finanzieller Unterstützung Forschung und Wissenschaft auf einem erheblichen höheren Niveau durchführen können. Eine dieser zehn Elite-Universitäten, von denen übrigens sechs im Bundesland Bayern gelegen sind, ist nun die FU-Berlin geworden.

Kaum war die erste Freude der Realität gewichen, sah sich das Land Berlin einer neuen Herausforderung gegenüber – woher sollen die Gelder für die neue Elite-Universität kommen? Im chronisch klammen Landes-Haushalt können keine separaten Gelder für Bildung bereit gestellt werden, dies wiederum würde heißen, dass die anderen Universitäten wie die renommierte Humboldt-Universität oder die Technische Universität mit weiteren Etatkürzungen auskommen müssten. Letztendlich wäre es so, dass für die Förderung einer Elite-Universität ein Abstieg der anderen Universitäten in Kauf genommen werden würde, womit langfristig gesehen, die Spanne zwischen den jeweiligen Universitäten immer größer werden würde.

Eine Lösung wären die schon seit geraumer Zeit angedachten Studiengebühren. Während andere Bundesländer trotz des kurzen Zornessturm der Studenten längst zu dieser Maßnahme gegriffen haben, blieben die Berliner Studenten davon bisher verschont. Um das Bildungsniveau in Berlin konstant anheben zu können, werden Studiengebühren zwangsläufig kommen. Die Ernennung der FU-Berlin zur Elite-Universität beschleunigt diesen Prozess lediglich.

Trotz aller Bemühungen wird die Einführung von Elite-Universitäten nicht zu einem Anheben des Bildungsniveaus führen. Die Verantwortlichen in der Politik haben sich von einem Mythos blenden lassen, denn selbst Harvard lebt mehr von seinen Anekdoten und seinem Mythos, als von seiner wissenschaftlichen Arbeit. Den deutschen Universitäten ist es im Laufe der Jahre nicht gelungen, sich ein ähnliches Renommee zu erarbeiten. Der Mythos Harvard hatte zur Folge, dass sich die Wirtschaft für deren Abgänger in solchem Maß interessierte, dass diese nach einem Abschluss fast eine Jobgarantie hatten. Welche Universität in Deutschland kann dies von sich behaupten?