Im Städel in Frankfurt wird ab dem 15. Dezember ein bislang unbekanntes Bild von Papst Julius II. ausgestellt, welches lange Zeit als Kopie von Raffaels Renaissancegemälde galt.


Das Städel nimmt das Papst-Gemälde von Raffael in seine wiedereröffnete Sammlung „Alte Meister“ auf, nachdem es aufwändig untersucht und auf die Echtheit geprüft wurde. Bislang galt das 1511/12 entstandene Bild offiziell als Kopie, wobei das Frankfurter Museum überzeugt war, dass es sich dabei um ein Original handelt, weswegen das Städel das Papstporträt vor einem Jahr von einem Privatsammler kaufte, der es 2007 als Werk eines Nachahmers Raffaels ersteigert hatte. Nach unterschiedlichen Untersuchungen und Durchleuchtungsverfahren wird nun jedoch eine Kopie ausgeschlossen, da die Ergebnisse dafür sprechen, dass es sich bei dem Bildnis um einen echten Raffael handelt.

Echter Raffael im Städel – Das Bild von Papst Julius II.

Das 106 mal 78 Zentimeter große Gemälde wird ist in zwei weitere Fassungen bereits Bestandteil von Ausstellungen in London und Florenz und stellt eines der bedeutendsten Bildnisse eines Papstes der Kunst-Geschichte dar, da sich nach der Veröffentlichung der Auftragsarbeit von 1511 fortan sämtliche Papstbilder an dem Vorbild Raffaels orientierten. Es zeigt den aufgrund seines Jähzorns gefürchteten Papst Julius II. lebensgroß im Lehnstuhl vor einem grünen Vorhang sitzend. Der als kunstsinnig bekannte Kirchenfürst hatte das Portrait selbst bei Raffael in Auftrag gegeben, woraufhin es in mehreren fast gleichen Fassungen in der Werkstatt des Malers angefertigt wurde.

Originales Gemälde des Kirchenoberhauptes – Werbung in eigener Sache

Dass ein Gemälde in mehrmaliger Ausführung in Auftrag gegeben wurde, ist keine Seltenheit in der Kunsthistorie. Oftmals entstanden solche Porträts wichtiger Persönlichkeiten oder Machthaber auch aus propagandistischen Gründen und wurden daher häufig an verschiedene Adelshäuser und Kirchen gesendet. Die großen Maler wie Raffael, Tizian oder Leonardo da Vinci hatten daher diverse Mitarbeiter in ihren Werkstätten, die im Stile des Meisters zum Teil die Bilder anfertigten, wobei die Gestaltung besonders wichtiger oder anspruchsvoller Abschnitte stets vom bekannten Künstler selbst vorgenommen wurde. In vielen Fällen wurde auf der Grundierung über dem Holz eine Bleistiftskizze vom Meister gezeichnet, die als Vorlage für die Werkstattkollegen dienen sollte. Im Fall des aktuellen Papstbildes im Frankfurter Museum wurde ebenfalls eine solche Vorzeichnung nachgewiesen, welche jedoch erheblich vom fertigen Resultat abweicht. Dies bedeutet für Experten, dass ein großer schöpferischer und künstlerischer Prozess stattgefunden haben muss, der eine Kopie im Grunde ausschließt.