38.000 Spielsüchtige gibt es in der Bundeshauptstadt – eine bedenkliche Zahl, die aktuell rasant steigt. Um der zunehmenden Flut von Spielhallen einen Riegel vorzuschieben, hat Berlin das wohl schärfste Spielhallengesetz Deutschlands auf den Weg gebracht. Doch immer mehr Automatenbetreiber nutzen eine Gesetzeslücke, um Glücksspielgeräte aufstellen zu können.
Spielautomat Jackpot

Bis zum Verlust der Existenz

Spielsüchtige kennen keine Grenzen. So ist es in den meisten Fällen kein weiter Weg von den ersten 10 Cent bis zu den verzockten 10.000 Euro. Dies ist nicht nur für den Spieler ein herber Verlust, oft leiden besonders Kinder an den Folgen der Sucht nach dem großen Glück. Damit nicht immer neue „Spielhöllen“ in Berlin aus dem Boden schießen, dürfen diese nur eröffnet werden, wenn sie einen Abstand von 500 Metern zu allen übrigen Spielhallen einhalten. So sieht es das 2011 von SPD und Linkspartei eingebrachte und verabschiedete Gesetz vor. Schließzeiten von 3 bis 11 Uhr, statt vormals 5 bis 6 Uhr, und eine Höchstzahl von 8 Spielgeräten runden das Gesetz ab. Außerdem wurde den Betreibern ein Sachkundenachweis auferlegt, damit sie Spielsüchtige erkennen können. Doch während Spielhallenbesitzer nach einer Übergangsfrist nun dazu angehalten sind, Automaten abzubauen, nimmt der Wildwuchs von sogenannten Café-Casinos ungeahnte Ausmaße an. Mehr zum Thema Glücksspiel finden Sie unter http://www.lottosysteme-weltweit.de

Grauzone in einer bunten Welt

Bis zu drei der flirrenden Kästen dürfen nach Bundesgaststättengesetz in Gaststätten und Cafés aufgestellt werden. Hier unterliegen sie keinerlei Personen- oder Suchtkontrolle. Und so stieg die Zahl der Automaten in diesen Etablissements innerhalb der letzten zwei Jahre von wenigen hundert Geräten auf mehr als 6.500 an. Noch etwas scheint paradox angesichts der politischen Lobeshymnen auf das neue Gesetz. Die Spielbanken der vom Senat betriebenen Firma Visit Berlin dürfen mit bis zu 350 Automaten in den einzelnen Dependancen weiterbetrieben werden. So steht der Senat unter dem Verdacht, die Konkurrenz für das eigene Geschäft auszudünnen. Man sieht strengere Maßstäbe bei der Suchtkontrolle vor, heißt es aus dem zuständigen Gremium. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

Alle sind gleich – nur einige sind gleicher

Ein klassisches Zitat aus dem Orwell-Klassiker „Farm der Tiere“, dass die aktuelle Lage in Berlin auf den Punkt bringt. Die halbherzige Offensive gegen das Glücksspiel hat ganz offenbar mehr Gewinner auf der Betreiberseite als auf Seiten der Suchtbetroffenen. Und so ist es noch ein weiter Weg, bis wirksame Maßnahmen greifen können. Angesichts von Umsätzen im Glücksspielmarkt von 31,5 Milliarden Euro und Einnahmen aus Spielbankabgaben von 590 Millionen Euro stellt sich die Frage, ob solche Maßnahmen überhaupt ernsthaft gewollt sind.

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