Ab heute kontrollieren Wachschützer 13 Neuköllner Schulen. Am Morgen wurden sie mit Blitzlichtgewittern begrüßt. Tut permanente mediale Präsenz den Schulen eigentlich gut?

Insgesamt 20 Sicherheitsleute einer Bielefelder Firma sind bis Sommer 2008 im Einsatz. Sie sollen vor Allem eine visuelle Kontrolle gewährleisten und verhindern, dass Schulfremde die Gebäude betreten. Waffen tragen die Wachleute nicht; eigentlich dürfen sie auch niemanden durchsuchen. Gegebenenfalls, heißt es, würden Ausweiskontrollen durchgeführt.

Das Projekt ist bundesweit einmalig – und umstritten. Die Kontrolle öffentlicher Schulen durch private Sicherheitsdienste erinnert an Szenarien aus amerikanischen Großstädten, wo Jugendliche vor Schulbeginn mit Metalldetektoren gefilzt werden. Die Verantwortlichen reagieren damit auf eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Gewaltdelikten: 139 Vorfälle wurden im Schuljahr 2006/07 im Umfeld der Neuköllner Schulen registiert. Rund 27 seien „von außen“ hineingetragen worden.

Die Maßnahme zeugt von Verzweiflung und Ohnmacht. Sie ist sicher nicht geeignet, das Klima auf Neuköllner Schulhöfen zu bessern. Dass die Zahl der Gewaltdelikte innerhalb der Schulen sinken wird, davon kann man wohl ausgehen – das Gewaltpotenzial aber bleibt gleich, vielleicht wächst es sogar. Wie soll man sich denn als Schüler fühlen, wenn man von Wachleuten empfangen wird und von den Blitzlichtern des Boulevardjournalismus?

Ich kann nachvollziehen, dass Gewaltdelikte an Schulen weder für Schüler, noch für Eltern oder Lehrer erträglich sind. Die einseitige Bekämpfung des Symptoms durch martialische Wachposten aber stigmatisiert alle Beteiligten gleichermaßen. Sie verschärft das soziale Klima eher noch. Angemessen wäre, einen Teil der veranschlagten Summe von 200.000 Euro in Sozialarbeit zu investieren, welche die Probleme bei der Wurzel packt, statt in einschüchternde Muskelmänner. Integration ist anders.