49 Festnahmen, acht verletzte Polizisten und zwei verletzte Demonstranten: Bilanz einer merkwürdigen Demonstration am vergangenen Samstagabend.

Das Motto „Für autonome Freiräume und Selbstorganisation – gegen Herrschaft und Kapitalismus“ klingt reichlich diffus; irgendwie sollte es wohl auch eine Gedenkveranstaltung für die Unruhen sein, die anlässlich der Schließung eines Jugendzentrums vor einem Jahr Kopenhagen in Atem hielten. Daneben protestierte man gegen die Auflösung besetzter Häuser und Wagenparks, autonomer Jugendzentren in Berlin, usw. Aber letztlich waren die Inhalte bestenfalls Vorwand für ein pubertäres Kräftemessen mit der Polizei, stellvertretend für Autorität, System, Staat, Ordnung, Erwachsene, etc., etc. Im Voraus fand sich im Internet die Ankündigung, man wolle „der Stadt wieder die Zähne zeigen“. Na, dann.

Gegen 18 Uhr kamen am Rosenthaler Platz rund 1.200 Menschen zusammen. Die eigentliche Demonstration konnte aber erst anderthalb Stunden später beginnen; solange kontrollierte die Polizei Vermummte und einschlägig Bekannte. Als es dann losging, wirkte die Sache verhältnismäßig friedlich, man beschränkte sich darauf, die Ordnungskräfte mit Farbbeuteln und Flaschen zu bewerfen. Nichts, womit diese nicht gerechnet hätten. Gegen 20 Uhr wurde die Demonstration aufgelöst.

Das schien ein Startsignal zu sein für ein paar Splittergruppen, die daraufhin den Prenzlauer Berg die halbe Nacht beschäftigten. Acht Autos und diverse Mülltonnen gingen in Flammen auf, Polizeibeamte wurden mit Steinen beworfen, ein Haus an der Cuvrystraße wurde vorübergehend „besetzt“. Bloß, warum? Wofür – oder wogegen – wurde eigentlich demonstriert? Ging es um das Jugendzentrum in Kopenhagen? Um den Kapitalismus im Allgemeinen? Für Anarchie?

Andere Leute verarbeiten ihre Agressionen im Fußballstadion. Oder sie trinken/kiffen/spielen Computer/ärgern ihre Oma/treten der Bürgerinitiative für den Erhalt des Flughafens Tempelhof bei.

Und manche demonstrieren eben. Wenn auch aus reichlich unklaren Gründen.