Spätestens seit seine Geschichte durch Steven Spielbergs Blockbuster “Schindlers Liste” berühmt gemacht wurde, kennt jeder Oskar Schindler als denjenigen, der während des Nationalsozialismus über Tausend Juden und Jüdinnen das Leben rettete. Was nur die wenigsten wissen ist, dass der zu spätem Ruhm gelangte Retter lange Jahre seines späteren Lebens in Frankfurt verbrachte.
Während des zweiten Weltkriegs war Oskar Schindler als Industrieller an der deutschen sogenannten “kriegswichtigen Produktion” beteiligt – er bewies dabei aber Mut und Menschlichkeit, indem er die in seinem Betrieb beschäftigten Zwangsarbeiter vor dem Zugriff der Nazis schützte und damit vor dem sicheren Tod bewahrte. Schindler, der den Ruf eines Lebemannes hatte und als NSDAP-Mitglied die Fabrik eines enteigneten polnischen Juden übernahm und der zunächst von der Ausbeutung jüdischer Zwangsarbeit profitierte, bewies doch menschliche Größe in dem er seine Position nutzte um Leben zu retten.
Nach dem Ende des Krieges, und einigen gescheiterten Versuchen wirtschaftlich Fuß zu fassen, verbrachte Schindler, der im April 100 Jahre alt geworden wäre, die Jahre 1957 bis 1974 zurückgezogen und unbekannt im Frankfurter Bahnhofsviertel. Hier lebte er bis zu seinem Tod. Doch fand in Frankfurt nur ein Teil seines “geteilten Lebens” statt: Häufig besuchte er in Jerusalem diejenigen, die mit seiner Hilfe die Judenverfolgung in Europa überlebt hatten und ihm den Namen “Vater Courage” gaben.
Unter diesem Titel läuft derzeit auch eine Ausstellung im Museum Judengasse, die Oskar Schindlers Spuren in Frankfurt folgt, und fragt wieso der Held in Frankfurt vergessen wurde. In diesem Rahmen finden auch Veranstaltungen und Vorträge statt, die an Oskar Schindler, aber auch an andere, weniger prominente Lebensretter erinnern wollen.

„Vater Courage“: Oskar Schindler – unerkannt in Frankfurt
Museum Judengasse
24. April – 31. August 2008
Museum Judengasse, Kurt-Schumacher-Str. 10

Dienstag, 6. Mai 2008, 19 Uhr
Die Geretteten nannten ihn Vater Courage
Oskar Schindler in Frankfurt
Ursula Trautwein im Gespräch mit Dr. Michael Fleiter, Institut für Stadtgeschichte

Mittwoch, 21. Mai 2008, 19 Uhr
Die verlorene Liebe der Ilse Stein. Deportation, Ghetto, Rettung.
Buchpräsentation von Johannes Winter

Donnerstag, 29. Mai 2008, 19 Uhr
Hilfe für jüdische Verfolgte im Rhein-Main-Gebiet
Vortrag von Monica Kingreen, Fritz-Bauer-Institut