Dem niedersächsischen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wurde in Hannover beim letzten Investitionsgipfel eine bedenkliche Studie überreicht. Niedersachsen ist das zweitgrößte Bundesland in Deutschland, jedoch erleidet es einen extremen Strukturverlust, da viele Investitionen – vor allem von Großunternehmen – ins Ausland verlagert werden. Nach dieser Studie wird doppelt so viel Geld im Ausland investiert, als in der deutschen Heimat.

Erste Welle von Auslandsinvestitionen schon 2004

Ab dem Jahr 2004 gab es bereits die erste Welle von Investitionen im Ausland. Bereits damals wurden in Niedersachsen nicht einmal mehr Investitionen in der notwendigen Höhe erreicht, um zu gewährleisten, dass Anlagen und Fabriken erhalten bleiben. Zum Beispiel betreibt Volkswagen aus Wolfsburg inzwischen 26 Werke in Asien. Zwar wirkten sich die damaligen Auslandsinvestitionen nicht unbedingt negativ auf Niedersachsen aus, die jetzige Welle könnte den Arbeitsmarkt aber durchaus mit einer sinkenden Beschäftigungsquote belasten.
In erster Linie wandern Großunternehmen ins Ausland ab. Moderne Mittelstandsbetriebe mit Tradition sind dagegen dem Standort Niedersachsen treu. Besonders im Lebensmittelbereich investieren Mittelständler wie Schwarz Cranz lieber in ihrer Heimat. Denn um die gewünschte, hohe Qualität bei den Fleisch- und Wurstwaren gewährleisten zu können, sind entsprechende Kontrollen und kurzen Transportwege nötig.

Niedersächsische Firmen planen Auslandsinvestitionen

Um einer weiteren, drohenden Abwanderung vorzubeugen und die Treue zum Standort Deutschland zu unterstützen, erarbeitet jetzt die niedersächsische Landesregierung ein Programm zur Förderung der Forschung. Der Mittelstand beschäftigt in Niedersachsen 60 Prozent der Erwerbstätigen. In dem Förderprogramm soll deshalb festgelegt werden, dass kleine und mittlere Firmen mit einer Steuergutschrift dafür belohnt werden.

Bei einer IW Umfrage wurden 400 Betriebe zu ihren Investitionsplänen befragt. 71 Prozent der im Ausland investierenden Unternehmen planen laut Umfrage ihre Produktion dort weiter auszubauen. Im Gegenteil sind nur 44 Prozent der befragten Firmen in Niedersachsen dazu bereit. Neben den sehr hohen Lohn-Nebenkosten wird als Grund auch der Mangel an Fachkräften angegeben. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeber-Verbandes Niedersachsen Metall Dr. Volker Schmidt hatte die IW Umfrage in Auftrag gegeben. Jetzt forderte Dr. Schmidt beim Investitionsgipfel in Hannover ein „Anspruchssignal für mehr Investitionen in Deutschland“.

Förderprogramm soll Abwanderung ins Ausland stoppen

Das Programm zur Förderung der Forschung soll als Initiative im Bundesrat diskutiert werden. Immerhin ist ein baldiger Handlungsbedarf gegeben, um weitere Abwanderungen von Firmen baldigst zu stoppen.

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