Das Schiff „Spree-Comtess“ sollte gestern möglichen Investoren den Spreeabschnitt vorführen, für den geplant wird, die neue Spree-Mediacity zu errichten.

Das lief nicht so, wie sich das die Veranstalter vorgestellt haben. Kaum war die Spree Comtess vor Ort, lief eine Opposition auf, die es in sich hatte: Mit Schlauchbooten, Kanus und Wasserbomben waren die Gegner der Mediacity angerückt und machten ihren Standpunkt unmissverständlich klar: Fremdinvestoren raus aus Friedrichshain und Kreuzberg, die Strandcafés sollen bleiben! Die Investoren haben sich dann mit ihrem Schiff wieder Richtung Mitte verzogen.


Die beiden Standpunkte kann man sich relativ einfach verdeutlichen:

Auf mediaspree.de gibts Infos zum Projekt. Die wollen sozusagen einen Hochhauskomplex an der Spree bauen. Zwischen Jannowitzbrücke und Elsenbrücke, direkt an der Spree lang.

Dabei werden „wichtige städtische Räume […] für die Öffentlichkeit zurück gewonnen, gleichzeitig bietet mediaspree günstige Lagebedingungen für übergeordnete Investitionsvorhaben.“ Unternehmen sollen angesiedelt und Investoren gewonnen werden, um den Wirtschaftsstandort Spree wieder aufleben zu lassen. Hm. Klingt nach Gewerbegebiet aus Stahl und Glas. Fraglich auch, ob Berlin sowas an dieser Stelle braucht und noch fraglicher, ob die überhaupt mir nichts, dir nichts da Gebäude hinstellen dürfen, schließlich gehören die Grundstücke ja auch wem.

Die andere Seite nennt sich Mediaspree versenken! und ist eine Bürgerinitiative mit attac-Affinitäten.

Die fordern einen Abstand der Neubauten zur Spree von mindestens 50 Metern, eine Mindesteinhaltung der Berliner Traufhöhe von 22 Metern und sind generell gegen ein Konglomerat von Lobbyisten, die sich da unternehmerisch austoben und nebenbei die Kieze verschandeln wollen.

Ich bin vollständig ihrer Meinung und möchte darauf hinweisen, dass, solltet ihr in mediaspree wohnen, ihr was dagegen tun solltet. In Berlin gibt es nämlich jetzt einen Bezirk namens „mediaspree, der beiderseitige, stadträumlich zusammenhängende Spreeraum, der von der Jannowitzbrücke im Westen, der Bahntrasse im Norden, der Elsenbrücke im Osten und der Schlesische Str./Köpenicker Str. im Süden begrenzt ist.“

Hey, die haben den Spreeabschnitt, der Friedrichshain und Kreuzberg trennt, mal eben „Mediaspree“ umgetauft. Schluss mit den Cafés, einfach ein paar Hochhäuser und „öffentliche“ Park-Steril-Grünanlagen hinstellen und schon ist alles in Ordnung. Gehts noch?

Solltet ihr also in Friedrichshain-Kreuzberg wahlberechtigt sein, dann seit ihr berechtigt, dagegen zu protestieren. Am 13. Juli 2008 werden zum Bürgerentscheid „Mediaspree abwählen“ die Stimmen gezählt. Weitere Infos auf ms-versenken.org.

Meiner Meinung nach ist es eine Frechheit, gerade diesen chilligsten aller Plätze in ein Hochglanz-Eldorado für Manager-Freaks zu verwandeln. Ich hoffe inständig, dass Ihr das auch so seht und eure Stimme für den Bürgerentscheid gebt.