„Wir sind gleich und doch verschieden.“ Ein Gedanke, der insbesondere den homosexuellen Menschen in der nationalsozialistischen Zeit gewidmet ist. Denn die Opfer waren nicht nur Juden, sondern auch Homosexuelle. Und daher wird heute das erste Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin-Tiergarten eröffnet, das sich in unmittelbarer Nähe zum Holocaust-Mahnmal befindet.

Das Mahnmal, das den ermordeten Homosexuellen gedenken soll, präsentiert sich als ein leicht geneigter Quader aus Beton. Besonderes Augenmerk gilt einem kleinen Fenster, das in den Betonquader eingeschnitten ist. Dabei werden zwei Männer sichtbar, die sich zärtlich küssen. Und das ohne Pause. Denn diese Szene wird in einer Endlosschleife abgespielt. Und nach zwei Jahren werden die zwei küssenden Männer gegen zwei küssende Frauen ausgetauscht.

Das Mahnmal geht auf das künstlerische Duo Michael Elmgreen und Ingar Dragset zurück, die die Appropriation Art vertreten. Eine Kunstart, die bestehende Werke adaptieren und umdeuten. So auch das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, das an den 2711 Stelen des Holocaust-Mahnmals angelehnt ist, dessen Schöpfer Peter Eisenman war.

Das Denkmal ist Mahnmal zugleich. Denn homosexuelle Männer und Frauen werden auch heute noch angefeindet. Auch wenn sich die Homosexualität zunehmend liberalisiert, so bleiben doch Berührungsängste. Das Mahnmahl gedenkt nicht nur den homosexuellen Opfern, sondern macht auch Homosexualität präsent in der öffentlichen Gesellschaft.