Knut: Ein Eisbär bewegt die Massen. Der Polar- isierende Liebling vieler Kinder und ihrer Eltern ist gleichzeitig das liebste Hassobjekt derjenigen, die nicht verstehen können, was an dem Eisbären und seinem bemüht lockeren Tierpfleger mit Bart dran sein soll. Es ist ja nicht so, als würde in Zoos und Tierparks nicht regelmäßig Nachwuchs geworfen.

Was ist an Knut also so besonderes, dass er, beispielsweise, gegenüber einem jungen Stachelschwein oder süßen Baby- Elefanten dermaßen markant hervorsticht? An seinem Geburtstag im Dezember bekam der Bär sogar eine Fisch- Torte. Wenn die Seehunde des Zoos da mal nicht neidisch wurden: Schließlich verrenken sie sich für Fisch täglich den Hals und müssen möglichst publikumswirksame Kunststücke vollführen – Knut indes tut eigentlich nichts, außer herumzuliegen und die Schreie seiner Fans zu genießen.

Somit hat die Zoowelt hier ihren ersten selbst geschaffenen Superstar. Bisher wurden Tiere eher durch Auftritte in Fernsehserien oder Filmen berühmt. Klar, dass sich die Knut- Vermarkter auch diese Sparte nicht entgehen lassen. Nachdem Knut Stofftiere, Poster und Tassen beschert bekommen hat, startet jetzt ein Kinofilm mit dem familienfreundlichen Titel „Knut und seine Freunde“.

Doch von anderer Seite drohen Problemwolken: Der Zoo Neumünster meldet Besitzansprüche am berühmten Eisbär an. Notfalls soll geklagt werden, wenn der Zoo Berlin nicht bereit ist, eine Entschädigung zu zahlen. Etwas verwunderlich, dass diese Attacke aus Neumünster erst jetzt stattfindet: Anscheinend wurde gewartet, bis Knut durch den Film wieder im Rampenlicht steht, um die Berliner auch richtig unter Druck zu setzen.

Damit wird die Zoowelt Deutschlands endgültig zum Stargeschäft: Ich prophezeie eine Nacht der Zoo- Stars, auf der die Tiere aus dem Fernsehen samt Pflegern herumflanieren und sich beschnuppern können. Natürlich live im Fernsehen, mit Fans und rotem Teppich. Nur das mit den Autogrammkarten wird schwierig, hier muss sich Knut vielleicht von ein paar Affen helfen lassen.