Im Zuge der aktuellen Auseinandersetzungen zwischen Berlin und Liechtenstein geht der Skandal um Postchef Zumwinkel beinahe unter. Ein pöbelnder Kronprinz, der Deutschland mit Nazi- Vergleichen attackiert, ist für die Medien nun mal spannender, als der Sturz eines Mannes, der bis vor ein paar Wochen noch als Vorbild für Manager in Deutschland schlechthin hätte gelten können.

Sein Führungsstil war dominant, ohne autoritär zu wirken. Er war 18 Jahre lang der Chef der deutschen Post. Er war unter Kollegen gleichermaßen geachtet wie gefürchtet für seine Politik, knallhart zu verhandeln und dabei stets höflich zu bleiben.

Nun soll dieser Mann Steuerhinterziehung begangen haben. 10 Millionen Euro. Heutzutage ist man das als Normalsterblicher beinahe gewohnt. Die Topmanager: Pokerspieler, die betrügen und klauen wo sie können, wozu sind sie sonst Topmanager?

Aber Zumwinkel? Der stets korrekte Machtmensch soll sich mit einem derartigen Schachzug in die Bredouille geritten haben? Und wozu? Verdient man nicht genug als Chef der deutschen Post? Vielleicht gehört das in den oberen Etagen einfach zum guten Ton? Man fühlt sich bei Zumwinkel fast so, als hätte sein eigener Großvater vom Staat geklaut, zu sehr präsentierte sich der Mann in der Öffentlichkeit als besonnen und schlau.

Können wir uns so stark getäuscht haben? Denn letzten Endes ist Steuerhinterziehung in diesem Umfang vor allem eins: Dämlich. Damit hätte sich Zumwinkel seinen Ruf und seine berufliche Zukunft wenn nicht komplett ruiniert, so doch stark gefährdet.

Bleibt nur die Frage: Ist er wirklich schuldig?