Der Name „Himmel und Erde“ stellt zuerst fast jeden passionierten Esser vor ein Rätsel. Was verbirgt sich hinter dem Essen, das die Hessen schon vor sehr langer Zeit als ihr „Nationalgericht“ adoptierten?

Erntereife farbenfrohe Äpfel am Ast
Mit Bezeichnungen wie „Lumpen und Flöh“ oder „Schlumpeweck“ zeigen die Hessen ihre Kreativität in der deutschen Küche. Das Gericht aus Kohl und Kümmel sowie die mit Apfelmus bestrichenen, platten Brötchen zählen genau so zu den sogenannten Nationalgerichten, wie „Himmel und Erde“.

Himmel und Erde mit unbekannter Herkunft

Zwischen 1600 und 1700 kam die ungewöhnliche Mischung aus Äpfeln und Kartoffeln zum ersten Mal auf den Tisch. Doch wie das Zeitalter, ist auch die Herkunft weitgehend unbekannt. Die Westfahlen wollen das Gericht schon in grauer Vorzeit gekocht, die rheinländischen Landfrauen „Himmel un Ääd“ von ihren Großmüttern gelernt haben. Auch im hessischen Marburg werden die Wurzeln von „Himmel und Erde“ vermutet und bis heute im Restaurant in Frankfurt am Main beispielsweise serviert.

Tradition aus Faulheit

In dem traditionellen Essen spielen Äpfel, die „Früchte des Himmels“ und Kartoffeln, die „Früchte der Erde“ die Hauptrolle. Je nach Region werden beide Zutaten entweder zu Brei vermengt oder stückig gekocht und im Anschluss daran miteinander vermengt. Die Geschichte dahinter steht vermutlich im Zusammenhang mit der bäuerlichen Ernte. Die Arbeiter auf dem Land sollen zu faul gewesen sein, um die auf das Feld gefallenen, reifen Äpfel aus den Kartoffeln zu sortieren. So wurden beide zu einer Mahlzeit verarbeitet. Zu „Himmel und Erde“ gehören unbedingt braune Zwiebeln und nach Belieben ein Stück Blutwurst, die „Flöns“.

Lieblingsgericht

Ob hessischen, rheinischen oder westfalischen Ursprungs, das traditionelle Gericht schmeckt deutschlandweit. Im Ranking der Lieblingsgerichte des Hessischen Rundfunks wählten die Hessen „Himmel und Erde“ auf Platz 13. Auch Michaela Scherenberg, TV-Produzentin zahlreicher Reportagen zum Thema Essen und Trinken, zeigt sich begeistert. Probieren sollten Sie die Spezialität auf einer Reise nach Frankfurt auf jeden Fall und danach entscheiden: Himmel auf Erden oder nicht.

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