,,Stadt.Leben“ heißt das Magazin, welches ab und an als Beilage in der städtischen Zeitung ,,Hamburger Abendblatt“ zu finden ist. Nicht, dass ich dieser Zeitung unbedingt journalistisch hohen Anspruch zusichern würde, so ist das pseudo coole beigefügte Magazin aber eher eine Zumutung als eine Zugabe.

Gerade heute fiel es mir zufällig in die Hände: ,,Stadt.Leben“ – das chice Vorzeige-Blättchen für unsere dekadente Großstadt. Eigentlich war ich zuerst guter Dinge, denn den Name an sich fand ich gar nicht mal so schlecht. Schlicht und irgendwie nett. Ich schlug die Zeitung also auf – und wurde gleich erschlagen.

Nicht, dass die Werbung einfach nur gruselig überzogen ist, so, als würde meine betuchte Großmutter sich nochmal in ein kurzes Cocktailkleidchen schwingen wollen, nein, sie unterstreicht die pseudo goldene Haltung Hamburgs. Ich blättere weiter und bin ein wenig besänftigt aufgrund des angenehm leichten Schreibstils, der im Grunde genommen mit leichtem Wortwitz den Ton aller trifft, jedoch verfehlt der Inhalt derart das Ziel, das ich nur noch sprachlos den Kopf schütteln kann.

Da ist beispielsweise ein Interview, in dem Hamburg als erwachsener Trendsetter beschrieben wird, der uns im Neuen Wall zum Stadtkern führt, wo man Hamburg kennen lernen kann, wie es ist. Oder eben auch nicht ist! Denn ganz offensichtlich hat unsere Stadt-Zeitung beschlossen, ,,nur“ noch die abgehobene Gesellschaft anzusprechen und nicht mehr die breite Masse. Denn Hamburg ist nicht nur der Große Wall, in dem ein protziges Geschäft neben dem anderen aufwartet, um potenzielle Kundschaft mit zarten Fummeln in den Ruin zu treiben, sondern Hamburg ist auch ganz anders – laut, bunt, offen und wunderbar schräg. Nur dazu muss man auch mal um die Ecke des Rathauses spazieren.

Das schlimmste an der Sache ist für mich eigentlich, dass es sich so total in die Hamburger Politik fügt. Hamburg möchte gern sein buntes Gewusel abschütteln und sich ganz auf die Trend-Geschichte spezialisieren. Reich, reicher, am reichesten. Und: High, higher, High Society. Ihgitt. Und des Weiteren fand ich traurig, dass dieses Magazin eigentlich junge Leute ansprechen sollte – zumindest dem Titelblatt nach zu urteilen. Bild und Name deuteten darauf hin und sogar ich empfand es ja vielversprechend. Trotz des miserablen Rufs der Zeitung! Aber wir jungen Leute wollen dieses Image nicht, wir wehren uns mit Händen und Füßen dagegen. Wir wollen ein lebendiges Hamburg, junges, erfrischendes Chaos. Und keine Shoppingtour bei Gucci, Dior und co.!