„Verbotskultur“ nennen harsche Kritiker das, was die Hamburger Politik plant und bald auch durchsetzen wird. St. Pauli ist schon lange kein verruchtes, sondern ein kontrolliert bewachtes Pflaster. Leider.

St. Pauli und die Reeperbahn ist das Vergnügungsviertel hier in Hamburg schlechthin. Dabei ist es oft der verruchte, leicht dreckige Schlag, der die Besucher so zahlreich anlockt und verführt. Man wittert das Abenteuer, die leichte Gefahr, man möchte sich hinein stürzen, in das Leben, in diese Partywut, möchte sich austoben und frei sein. Genau.
Doch leider ist die gewitterte Gefahr keine eingebildete, sondern eine wirkliche: In St. Pauli und auf der Reeperbahn passieren noch immer viel zu viele „Unfälle“. Deshalb ja schon das ausdrucksstarke Waffenverbot.

Und nun trifft es die Glasflaschen, die in nahe Zukunft zu bestimmten Zeiten nicht mehr verkauft und mit sich geführt werden dürfen. Denn auch, wenn die Zahl der Unfälle schon drastisch gesunken ist, die Zahl der Glasflaschenattakierungen sei noch immer zu hoch. Die Betroffenen, also die Vertreiber dieser Flaschen in dieser Gegend, sind erbost, immerhin hätten viele sich freiwillig bereit erklärt, Glasflaschen zu diversen Zeiten nicht mehr zu verkaufen – und sich auch daran gehalten. Das jetzige Verbot deutet auf einen Vertrauensmissbrauch hin und auf die Zelebrierung der sogeschimpften „Verbotskultur“, die in Hamburg immer stärker um sich greift und unser allseits beliebte, einschlägige Pauli-Viertel so langsam aber sicher den „Garaus“ macht.

Tja. Was kann man dazu sagen? Ich finde es auch schade, dass man nun gesetzlich eingreift. Ich fand das freiwillige, selbst auferlegte Glasflaschenverbot in St. Pauli eigentlich schon recht „verschärft“, die Eigentümer sind da recht streng vorgegangen. Wozu jetzt noch gesetzlich eingreifen? Auch in diesem Artikel wird argumentiert, dass hier einfach nur Zeit fehle, damit das Ganze wirken und um sich greifen kann, dass man nicht mit dem Holzhammer draufschlagen, sondern abwarten sollte. Finde ich auch. Gleich alles zu verbieten, schränkt ein und nimmt dem bunten Viertel die Luft zu atmen, zu gedeihen und zu blühen. Natürlich lockt hier die Gewalt stärker als anderswo,aber wir wissen ja auch, worauf wir uns dort einlassen, oder? Zudem können wir alle mit anpacken, dass unser heißgeliebtes Pauliland sicherer wird, indem wir es sicherer machen. Die Ladenbesitzer haben es vorgemacht, wir müssen weiter machen. Und die Politik sich ausnahmsweise mal raushalten.

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