Die einen sehen sie als Zeichen der Offenheit und Toleranz, die anderen als offene Provokation und Verlust von Heimat. Umstritten sind die Baupläne für eine Moschee aber in jedem Fall.

Für alle Menschen in Deutschland gilt das in der Verfassung garantierte Recht auf Religionsfreiheit. Doch nicht zuletzt dank der Meinungsmache populistischer Medien müssen sich die Muslime dieses Recht immer wieder aufs Neue erkämpfen. Das Bild, das vor allem die Medien über die Religion des Islam zeichnen, ist in den letzten Jahren zunehmend negativ gewesen. Dank einer Minderheit fanatischer Muslime wurde die Vorstellung einer gewaltverherrlichenden, menschenverachtenden Religion auf Millionen Menschen projiziert, die in der Regel doch nichts anderes wollen, als ungestört und in Würde ihrer Religion nachzugehen, Gottesdienste zu besuchen und ansonsten einen normalen Alltag zu leben – wie auch Millionen Katholiken und Protestanten in Deutschland.

Als bekannt wurde, dass im Stadtteil Sendling, am Rand der Großmarkthalle, eine neue Münchner Moschee entstehen soll, erhob sich solcher Protest bei den deutschen Anwohnern, dass sogar die „New York Times“ darüber berichtete.
Ziemlich verwundert, nicht nur deswegen, weil in New York eine Moschee etwas Selbstverständliches ist, sondern auch, weil mittlerweile über drei Millionen Muslime in Deutschland leben, wohnen und arbeiten.

Seit den sechziger Jahren sind sie eingewandert, meist als billige Arbeitskräfte, von der hiesigen Wirtschaft hierher geholt. Und dennoch müssen sie auch heute um das vermeintlich Selbstverständliche kämpfen.

Jahrelang hatten die Sendlinger Muslime in einer verkommenen ehemaligen Möbelhandlung ihre Gebete verrichten müssen, vor vier Jahren hatte der Moscheeverein bei der Stadt um den Bau einer repräsentativen Moschee nachgesucht.

Der Münchner Stadtrat hat das Vorhaben zwar genehmigt, aber die Regierung von Oberbayern hob den Stadtratsbeschluss nach Einsprüchen der Anwohner wieder auf – auch weil die Moschee das Ortsbild beeinträchtige. Wichtiger bei diesem Entschluss war jedoch wahrscheinlich die ominöse Angst, die die meisten Menschen heutzutage vor dem „Feindbild Islam“ haben.

Nun will das Münchner Planungsreferat die Neubaupläne erneut auslegen und die Diskussion in der Bevölkerung kocht aufs Neue hoch.

Am Sonntag, 6.4.2008, läuft zu diesem Thema um 19 Uhr eine Sendung auf dem Bayrischen Rundfunk (BR).