Das Baujahr des Friedrichstadt-Palastes in Berlin mag vielleicht darüber hinwegtäuschen, aber obwohl er in seiner heutigen Form erst 1984 errichtet wurde, steht er in einer langen Tradition des Revuetheaters.

Der Vorläufer des Palastes

Die Geschichte des Friedrichstadt-Palastes reicht bis in das Jahr 1867 zurück. Damals wurde auf dem heutigen Areal eine Markthalle errichtet. Diese rentierte sich jedoch nicht und musste nur ein knappes Jahr nach ihrer Eröffnung schon wieder schließen. Das leer stehende Gebäude wurde daraufhin im Inneren 1873 umgebaut. Grund dafür war, dass ein Zirkus, der von nun an Markthallen-Zirkus hieß, das Gebäude gekauft hatte und zu einer Spielstätte umfunktionierte. 1873 eröffnete der Zirkus, der fast 5.000 Menschen Platz bot und bis 1919 mit seinem Programm die Menschen unterhielt. Einen Schritt Richtung Revuetheater tat das Haus, als Max Reinhardt 1919 den Zirkus erwarb und es zu einem Ableger des Deutschen Theaters machte. Er änderte nicht nur das Programm Richtung prächtiger Revue-Aufführungen, sondern änderte auch den Namen des Hauses, das von nun an „Großes Schauspielhaus“ hieß. Das NS-Regime nutzte das Haus noch bis 1941 unter dem Namen „Theater des Volkes“, dann wurde es geschlossen. 1947 fand hier die Gründung der FDJ statt, bevor man das Haus unter dem Namen Friedrichstadt-Palast mit seinem Nummernprogramm wieder eröffnete. Die Besitzer wurden 1949 von der DDR enteignet.

Der Prunkplattenbau der DDR

Der Palast war dann in seiner damaligen Gestalt bis 1980 in Betrieb. Das Gebäude erwies sich allerdings als so marode, dass es geschlossen werden musste und von der DDR-Führung zum Abriss freigegeben wurde. Da die DDR-Regierung aber nicht auf den Palast verzichten wollte, ließ sie ihn an seiner heutigen Stelle in der Friedrichstraße 107 1984 komplett neu errichten. Bewusst entschied man sich damals für eine Konstruktion als Plattenbau. Deshalb ist er bis heute nicht wie für Revue-Theaterbauten typisch im Jugendstil gehalten, sondern in seinem Erscheinungsbild sehr geometrisch, sachlich und formenstreng. In den letzten fünf Jahren der DDR konnte er sich als das Unterhaltungszentrum – vor allem seiner modernen Ausstattung in Ton- und Bühnentechnik wegen – in Ost-Berlin etablieren.

Heutige Erscheinung

Auch die Wende bereitete dem Palast kein Ende. Vielmehr schaffte er es, wie kaum ein anderes Theaterhaus in Berlin, den Geschmack des Publikums zu treffen und es hat nach wie vor mit seinen ausladenden Aufführungen einen festen Platz im Berliner Nachtleben.

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