1945 war der Zweite Weltkrieg zuende – doch er warf seinen Schatten bis über das 20. Jahrhundert hinaus: Als Mahnmal, als Erinnerung, als Schuld. Jetzt, April 2010, beginnt eine Ausstellung, die noch einmal das Thema aufgreift. Gegenstand sind private Fotographien aus dem Krieg.

Guido Knopp hat Zeitzeugen häufig vor die Kamera geholt und ließ sie ihre Erinnerungen schildern; nicht immer ohne Kritik seitens Kollegen. Doch die Erinnerung ist noch immer da, und sie ist lebendiger als je zuvor. Siebzig Jahre nach Kriegsbeginn holen Töchter, Söhne, Enkel und Urenkel alte, verstaubte Fotoalben aus Schubladen und Schränken, von Dachböden und aus Kellern ihrer Familien und stellen Fragen: Was genau ist auf den Fotos zu sehen? Wo waren die Soldaten im Einsatz? Warum sehen manche Fotos eher wie Urlaubsfotos und nicht gerade wie Kriegsfotos aus? Welche wurden aus Abenteuerlust und Neugierde, welche aufgrund von Nazi-Propaganda geknipst? Wie gehen die Nachkommen mit diesem Erbe um?

Das Historische Museum Frankfurt zeigt vom 15. April bis 29. August die Sonderausstellung „Fremde im Visier – Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg“ und eröffnet damit neue Sichtweisen auf die privaten Kriegserinnerungen.

Auf einer Ausstellungsfläche von rund 400 Quadratmetern dokumentieren bislang unbekannte private Fotografien aus 150 Alben die Schnappschüsse der Soldaten: an der Front, als Besatzer und als Kriegsgefangene. Viele Fotosammlungen folgen dem historischen Kriegsverlauf: Überfall auf Polen 1939, „Blitzkrieg“ an der Westfront 1940 und Vernichtungskrieg im Osten ab 1941. Sie machen deutlich, wie der Krieg gesehen wurde, nicht, wie er war.

Neben den Feldpostbriefen sollten gerade auch die Knipserfotos der Soldaten den Zusammenhalt zwischen der Front und ihren Familien in der Heimat stärken. Der Aufforderung des Propagandaministeriums, die Kamera auch im Krieg nicht ruhen zu lassen, folgten viele Soldaten bereitwillig.

Die Alben sind größtenteils Leihgaben von ehemaligen Wehrmachtssoldaten und ihren Familien aus Norddeutschland sowie aus Museen und Archiven. Ein Album sowie eine Fotosammlung kommen aus Frankfurter Privatbesitz. Drei Zeitzeugen stellen ihre Alben in Videointerviews vor und geben Auskunft zu Intention und Motivation des Fotografierens. Interessierte Besucher können ihre Fotoalben jeweils am ersten und dritten Mittwoch des Monats ins Museum bringen und sie Mitarbeitern vorstellen.

Der erste Termin findet am Mittwoch, 21. April, von 16 bis 18 Uhr statt.

Historisches Museum Frankfurt
Saalgasse 19 (Römerberg)
60311 Frankfurt am Main
Tel ++49 (0)69-212-35599
Fax ++49 (0)69-212-30702

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr
Mittwoch 10-21 Uhr
Montag geschlossen

Eintritt:
Museumseintritt 4,00 € / erm. 2,00 €
Familienticket 9,00 € (2 Erwachsene & bis zu 4 Kindern), Kinder u. 6 J. Eintritt frei, mit Kulturpass: 1,00 €
Die Ermäßigungstarife gelten für:
SchülerInnen, Studierende, Auszubildende, Behinderte ab 80 %, Wehr- und Zivildienstleistende sowie InhaberInnen von Frankfurt-Pass und Frankfurt Card.