China ist zu einem wichtigen Faktor der Weltwirtschaft aufgestiegen. Selbstbewusst treten seine Politiker und Wirtschaftsführer heute im Ausland auf. Aber das Land schleppt auch viele Probleme mit sich herum – Korruption, Umweltverschmutzung, soziale Unruhen.

Im Pekinger Vogelnest richten sich an diesem Mittwochnachmittag die Augen der Welt auf das olympische 200-Meter-Finale. An der Mainzer Landstraße blicken nur drei Polizisten herüber zu Frau Chen. Dazwischen rast immerfort der Berufsverkehr.

Möglicherweise ist der friedliche Weg endlos und führt nirgendwo hin. Auf Störungen aber reagiert Chen Xialin unerwartet schroff, sie könne sich nicht konzentrieren, sagt sie, darunter leide die Übung. Die zierliche Chinesin im gelben Fleece-Pulli sitzt auf dem Bürgersteig, direkt am Bordstein, ihr Transparent hat sie mit Kordeln gespannt, zwischen Laterne und Straßenschild. Auf der anderen Straßenseite erhebt sich hinter Absperrgittern eine sechsstöckige Fassade: das chinesische Generalkonsulat. Chen Xialin geht den friedlichen Weg, störungsfrei, meditierend.

Quelle: Frankfurter Rundschau