In Hamburg gibt es viele Familien, viele junge Mütter, die mit einem Kinderwagen unterwegs sind. Und viele Unwissenden glauben schon allein deshalb an ein familienfreundliches Hamburg.

Berliner Tor – Ubahn Haltestelle der HVV – es ist morgens, halb zehn Uhr in Deutschland und gerade ist wohl eine neue Bahn in den Schacht gerollt, denn es strömen Menschen mit dem typisch leeren Gesichtsausdruck wie ein wogendes Meer an der Frau vorbei, die vor der Treppe steht und wie auf einem sinkenden Floß mit hilfesuchenden Blick durch jenes Meer schwimmt. Ihre Hände umklammern den Griff eines Kinderwagens und sie wartet. Und wartet. Wartet immer noch.

Sie wartet auf ein helfendes Händepaar, das ihr mit dem Kinderwagen schnell unter die Arme greift. Denn ohne helfendes Händepaar gibt es keine Möglichkeit in den Schacht zur U-Bahn zu gelangen. Das ist natürlich blöd, aber Hamburg ist ja familienfreundlich und deshalb sollte das ja eigentlich kein Problem sein. Sollte. Ist aber doch eines.

Denn der Bauarbeiter, der genau daneben steht, dreht sich unaufällig um, pult mit einer Hand in der Hosentasche, mit der anderen raucht er friedlich ein Zigarettchen. Auch die beiden Jungs senken ihre Köpfe tief über das Handydisplay und haben scheinbar außerordentlich wichtiges zu besprechen. Noch ein anderer rennt schnell an der hilflosen Frau vorbei und ignoriert sie gänzlich.

Also – Frauen mit Kinderwagen sind oft wie Behinderte in der Stadt unterwegs. Oft angewiesen auf die Hilfe anderer warten sie an vielen Treppen vergeblich auf Hilfe. Natürlich gibt es auch viele nette Menschen in Hamburg, aber ob man das dann alles als tatsächlich familienfreundlich bezeichnen kann – ich weiß ja nicht.

Oder erlebt ihr es anders? Na dann los – zögert nicht, eure Meinung hier im Kommentarfeld zu hinterlassen! Mehr zum HVV an sich findet ihr übrigens auf deren Internetpräsenz.