Die beiden größten Länder der EU setzen in der Energiepolitik künftig auf Zusammenarbeit. Gemeinsam wollen Deutschland und Frankreich einen Konzern gründen, der sich im Bereich der Energiewende engagieren soll.
Sonne scheint auf Solaranlage

Deutschland und Frankreich wollen bei Energiewende kooperieren

Auf seiner großen nationalen Pressekonferenz hatte Frankreichs Staatspräsident Hollande ein Energiebündnis mit Deutschland angekündigt und ein gemeinsames Unternehmen in Aussicht gestellt. Erste Vorschläge für die Firmenidee besprechen beide Seiten beim deutsch-französischen Ministerrat am 19. Februar, das verkündete Frankreichs Europaminister Repentin. Wie beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus wollen die Staaten ein Konsortium aufbauen, an dem verschiedene öffentlich-rechtliche Stellen beider Länder Anteile halten. Eventuell beteiligen sich wie bei Airbus auch private Investoren, die Details stehen noch aus. Bei dem Treffen werden die Beteiligten auch besprechen, welche konkreten Vorhaben das Konsortium zur Forcierung der Energiewende vorantreiben soll.

Beide Länder wollen bald die ersten Projekte realisieren

Laut Presseberichten laufen längst Vorbereitungen, welche das Freiburger Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme, das französische Institut für Solarenergie sowie das Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik verantworten. Die französische Zeitung „Les Echos“ weiß Näheres: Die drei Institute sollen ein Projekt mit der Bezeichnung „X-GW“ verfolgen, eine große Fabrik für Solarpanele soll entstehen. Damit wollen beide Länder in diesem Bereich des Cleantech Marktanteile von China zurückgewinnen. In Deutschland mussten viele Solarfabriken Entlassungen vornehmen und Insolvenz anmelden, weil sie mit den Billigpreisen chinesischer Konkurrenten nicht mithalten konnten. Darauf beschränken wird sich die Initiative aber nicht, Repentin sprach gegenüber Medien von zahlreichen möglichen Kooperationen. Sie sollen nicht nur erneuerbare Energien umfassen, sondern auch innovative Technologien der Energiespeicherung. Von einer solchen Zusammenarbeit könnten beide Partner profitieren, die über unterschiedliche Voraussetzungen verfügen: Frankreich setzt momentan noch auf Atomkraft, erneuerbare Energien spielen kaum eine Rolle. Die Regierung hofft, die Potenziale besser zu nutzen und Arbeitsplätze zu schaffen. Deutschland gilt mit vielen Cleantech-Unternehmen dagegen als Vorreiter, die Firmen dürften sich Aufträge versprechen. (Hier gibt es weitere Informationen zum Thema Nachhaltigkeit.)

Berlin und Paris setzen seit Langem existierende Idee um

Schon viele Jahre plädieren Persönlichkeiten wie der Ex-Präsident der EU-Kommission, Jacques Delors, für eine verstärkte europäische Kooperation auf dem Feld der Energiepolitik. Initiativen der beiden Länder Deutschland und Frankreich blieben aber bisher ohne konkrete Ergebnisse. Das könnte sich nun ändern, so fortgeschritten waren die Überlegungen noch nie.

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