1982 kam Gürol Gür als 18jähriger Junge aus der Türkei nach Deutschland. Damals hätte niemand geglaubt, dass er einmal der Brötchen-König von Hamburg sein würde. Heute gehört ihm die „Schanzenbäckerei“, eine der größten Bäckereiketten der Stadt. Es gibt 33 Filialen, 250 Mitarbeiter sind bei Gürol Gürs „Schanzenbäckerei“ beschäftigt. Die Geschichte der „Schanzenbäckerei“ ist nicht nur die Erfolgsgeschichte eines tatkräftigen Unternehmers, es ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie Integration gelingen kann.

Vom Gehilfen zum Firmen-Gründer

Nachdem Gürol Gür 1982 mit seinem Vater nach Deutschland gekommen war, arbeitete er als Aushilfe in der traditionellen Hamburger Bäckerei „Dat Backhus“. Zunächst war es nicht mehr als eine Verlegenheitslösung, denn Gür musste Geld für seine junge Familie verdienen. Doch während der Arbeit merkte er, dass Backen Spaß macht. Mehr noch: Backen wurde für den jungen Mann zur Berufung. Nach vier Jahren im „Dat Backhus“ wagt Gürol Gür schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit. Im Hamburger Schanzenviertel eröffnete Gür eine eigene Bäckerei – die „Schanzenbäckerei“. Der Name erinnert noch heute an den Ursprung.

Mehr als nur eine Bäckerei

In den folgenden Jahren begann die große Expansion der Bäckerei-Kette. Jährlich wuchs der Umsatz um 10 Prozent. Heute gibt es 33 Filialen, 12 davon werden von Lizenzhaltern betrieben. Doch auch wenn täglich 2.000 Brote, 30.000 Brötchen und vieles mehr verkauft werden, hat sich das Geschäft deutlich gewandelt. Gürol Gür erkannte früh, dass sich ein erfolgreiches Geschäftsmodell nicht mehr allein auf Backwaren konzentrieren darf. Deshalb nahm er auch Snacks und Salate ins Angebot, die schon heute für einen Großteil des Umsatzes sorgen. Eine neue Idee ist gerade in der Testphase: In der Filiale Hammerbrook werden Pizzen verkauft. Auch die Konkurrenz setzt nicht allein auf Backware. Kaffeespezialitäten sind mittlerweile eine wichtige Einnahmequelle für jede Bäckerei. Kaffeeservice-Anbieter versorgen die Filialen mit allem, was sie dafür benötigen.

Zukunft und Innovation

Trotz des großen Erfolgs ist Gürol Gür bodenständig geblieben. Für die nächsten Jahre möchte er nicht weiter expandieren, weil der Markt die Sättigungsgrenze erreicht hat. Wenn Gür sich in den nächsten zehn Jahren aus dem Geschäft zurückziehen will, möchte er seinen Kindern ein solides und gesundes Unternehmen übergeben. Mit Sicherheit wird es bis dahin noch die eine oder andere Innovation geben, die die „Schanzenbäckerei“ fit macht für die Zukunft.

Foto von: Frede Calli