Ein dunkles Kapitel: Der Kölner Karneval im Dritten Reich

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Gerne sehen die Kölner ihren Karneval als unpolitische Veranstaltung und verhöhnen die Obrigkeit unter dem Schutz der Narrenkappe nach allen Regeln der Kunst. Dass die nationalsozialistischen Machthaber sich das bunte treiben am Rhein jedoch ausgiebig zunutze gemacht haben, will man lieber gar nicht erst glauben. Ein neues Buch untersucht nun das ungute Verhältnis zwischen „Alaaf und Heil Hitler“.

Die ideologische Instrumentaliserung von Volksfesten und Bräuchen ist in Diktaturen strategischer Standard. Was nicht verboten ist, wird sich zunutze gemacht. Bekanntlich war dem NS-Regime alles hilfreich, was einheitsstiftend und heimatverbunden daherkam. Keine Ausnahme bildete dabei der Kölner Karneval.

Wie sich jetzt in der ebenso erschreckenden wie erhellenden Studie der Historiker Carl Dietmar und Marcus Leifeld unter dem Titel „Alaaf und Heil Hitler. Karneval im Dritten Reich“ nachlesen lässt, hatten die nationalsozialistischen Machthaber die höchsten Feiertage der Kölner mitsamt allen Bräuchen fest im Griff.

Antisemitische Witze im Sitzungskarneval, diffamierende Judenparodien auf den Wagen der Rosenmontagszüge, Hass- und Spottlieder im kölschen Dialekt – das gesamte Spektrum wurde genutzt. Widerstand aus dem Volk fand praktisch nicht statt. Und wer sich seitens der Karnevalsmacher nicht kooperativ zeigte, wurde massiv unter Druck gesetzt, verhaftet und in Einzelfällen sogar hingerichtet.

Die Autoren gehen die schwierige Thematik nüchtern genug an, um ein klares Bild vermitteln zu können. Neben dem rheinischen Karneval werden auch die Mainzer Fastnacht, der Münchner Fasching und die schwäbische Fastnet unter dem Einfluss der NS-Politik beleuchtet. Die Methoden und Symptome sind jedoch überall identisch.

Carl Dietmar und Marcus Leifeld:
Alaaf und Heil Hitler. Karneval im Dritten Reich
224 Seiten mit 63 Abb.
ISBN: 978-3-7766-2630-8
Herbig-Verlag, 24.95 EUR