Die Stämme von Köln: Karneval, Re-Enactment und Schamanismus

Wikinger, Mongolen und Indianer, sie alle leben im Schatten des Doms und nennen sich „Kölner Stämme“. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie jeder andere, doch in ihrer Freizeit verkleiden sie sich und veranstalten aufwendige Rollenspiele in Parks und Grünanlagen der Stadt. Ein Dokumentarfilm wirft ab 19. Mai einen detaillierten Blick auf das wilde Treiben.

Etwa 80 Vereine machen die „Kölner Stämme“ aus. Doch mit Karneval hat ihre Kostümierung nur bedingt zu tun. Re-Enactment nennt sich die kuriose Freizeitaktivität, mit der sich die vielen Liebhaber fremder und längst vergangener Kulturen so oft wie möglich beschäftigen. So spielen sie in den Sommermonaten zusammen mit Familie, Freunden und Kollegen unter freiem Himmel das Leben von Hunnen und Wikingern nach.

Die Ethnologin und Filmemacherin Anja Dreschke ist dem skurrilen Hobby der Kölner Stämme über mehrere Jahre hinweg nachgegangen. Das Resultat ihrer Arbeit lässt sich demnächst nun im Kino ansehen. In Form eines Dokumentarfilms zeigt sie nicht nur die Aktivitäten der Vereine, sondern lässt die Mitglieder auch ausgiebig selber zu Wort kommen und von ihrer Faszination erzählen.

Über die Ursprünge der Kölner Stammestradition ist man sich allerdings nicht wirklich einig. Während manche etwa davon ausgehen, dass amerikanische Historienfilme der 50er Jahre den entscheidenden Auslöser für die Gründung des ersten „Hunnenstamms“ geliefert haben, sehen andere ihre Wurzeln bei der heiligen Ursula, von der es heißt, sie sei in Köln von Hunnen getötet worden.

Besonderes Augenmerk hat die Dokumentarfilmerin auf die Vereinsschamanen gerichtet, zu deren Aufgaben unter anderem das Durchführen von Initiationsritualen und Hochzeitsfeiern gehört. Die Einflüsse reichen hier vom sibirischen Schamanismus bis zum rheinischen Karneval. Wer mehr erfahren will, bekommt dazu mit „Die Stämme von Köln“ ab dem 19. Mai Gelegenheit.

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