Gestern demonstrierten rund 800 Menschen im Hamburger Flughafen gegen die Abschiebung.

Nichts ahnend und blauäugig hockte ich in der S-Bahn und wollte eigentlich nur schnell in die Uni – als eine penetrante Stimme mir mitteilte, dass die Züge jetzt erst einmal nicht mehr fahren würden. Na super! Bus-Ersatz-Verkehr dauerte zu lange, im Endeffekt hatten beinahe alle Busse in der Innenstadt rund 90 Minuten Verspätung!

Es ging wirklich turbulent her
, gestern, denn die rund achthundert Aktivisten hockten sich auf die Gleise der S-Bahnen, blockierten den reibungslosen Ablauf im Hamburger Flughafen und provozierten allerhand Polizei-Großeinsätze. Damit wollten sie gegen die generelle Abschiebung protestieren und unserer Politik gehörig an´s ,,Bein pissen“ (entschuldigt diesen Ausdruck, aber genau so schmeckte die Stadt gestern: provokant, ironisch und eben vulgär 😉 ).

Auf jeden Fall kann ich sagen, dass die gesamte Stadt von diesem ,,Fieber“ mitgerissen wurde. Überall Staus, betrunkene Jugendliche, Leute, die sich auf der Straße prügeln und generell eine vibrierende Atmosphäre, die sich wie ein roter Faden durch jeden Stadtteil zog. Ich bin mir sicher, dass kein Hamburger verpasst hat, was los gewesen ist, selbst, wenn er politisch gar nicht interessiert ist.

Ich selber bin dann übrigens auch nicht mehr in der Uni gewesen, sondern habe mich der Faszination Gruppenzwang hingegeben und eben mal geschaut, was da los ist. Im Übrigen ging die Demonstration nicht friedlich aus: Polizeibeamte wurden verletzt und viele Demonstranten fest genommen. Generell herrschte eine übersprudelnde Agression vor, die ich so auch nicht gut heißen kann. Ich finde es immer gut, wenn die Bürger auf die Straße gehen, um ihre Meinung zu vertreten und für Gerechtigkeit einzustehen, jedoch löst Gewalt immer nur Gegengewalt aus und ist niemals die Lösung für das Problem.