Münchner tun gerne so, als beginge man einen groben Fehler, wenn man das mutmaßlich größte Volksfest der Welt als „Oktoberfest“ bezeichnet. Dabei wissen Einheimische natürlich genau, unter welchem Namen ihre „Wiesn“ rund um den Globus bekannt ist.

Mehr als Bier und Brauchtum

Wäre das Oktoberfest einfach nur ein hervorragend organisiertes Großereignis für Touristen aus den entlegensten Gegenden der Erde – es hätte sich wahrscheinlich nicht über 200 Jahre erfolgreich fortführen lassen. Mit nur wenigen Unterbrechungen. Zu seiner Anziehungskraft trägt die gekonnte Ritualisierung von Dingen bei, die irgendwann ausprobiert und für gut befunden wurden – vom reichlichen Bierkonsum mal abgesehen. Um die sechs Millionen Besucher jährlich erliegen dem Charme der zweiwöchigen Kombination aus Brauchtum, Lebensfreude und moderater Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist.

Gefeiert wird im September

Zum ersten Mal fand das Oktoberfest 1810 anlässlich der Vermählung des Kronprinzen Ludwig statt – im Rahmen eines Pferderennens. Daraufhin wandelte sich sein Charakter mehrfach. Zunächst stand der Sport im Vordergrund. Sich an den Olympischen Spielen der Antike orientierend, nahm Griechenlandbewunderer Ludwig im Prinzip deren Wiederbelebung in der Neuzeit durch Pierre de Coubertin vorweg.

Zum volksnahen Event entwickelte sich die Wiesn Ende des 19. Jahrhunderts – erst 1880 und 1881 kamen Bierverkauf und Hendlbratereien hinzu. Bis heute verwirrend für Neulinge ist der Umstand, dass ein „Oktoberfest“ seit Langem größtenteils im September stattfindet. Ein Zugeständnis an die regionalen Wetterverhältnisse.

Immer weniger Wiesn-Skeptiker

Wer das Oktoberfest persönlich kennenlernen will, muss kein Bier trinken, keine Stimmungsmusik und keine Promis schätzen; keine trachtähnliche Kostümierung tragen und nicht mal gute Laune mitbringen. Nur Menschen im Allgemeinen mögen, das sollte man schon. Amüsante Tischrunden in den fast immer überfüllten Zelten, aufregende Fahrgeschäfte draußen – irgendwas kann schließlich sogar Wiesn-Skeptiker überzeugen. Und wenn es nur das qualitativ hochwertige und immer vielfältigere Angebot an Speisen und Getränken ist.