Die Hamburger Initiative Esso-Häuser bemüht sich, den geplanten Abriss des Molotow und die Neubebauung in St. Pauli zu stoppen. Ein Szenario, was sich in Innenstadtlagen häuft. Ein Einblick.


Der lange Riegel am Spielbudenplatz in St. Pauli ist sicherlich keine architektonische Glanzleistung. Das Gebäude stammt aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, beherbergte neben der Esso Tankstelle, die rund um die Uhr den Kiez mit Treibstoff zweierlei Art versorgte, auch den legendären „Molotow Club“.

Nun hat die Bayrische Hausbau GmbH den Plan vorgelegt: Abriss und Neubau. 30% Sozialwohnung, die in wenigen Jahren nach Ablauf der Übergangsfristen, dem regulären Wohnungsmarkt zugeschlagen werden und 30 % hochwertige Eigentumswohnungen. Das Konzept ähnelt der Politik in anderen deutschen Großstädten.

Gewinnung von Stadtraum

In Stuttgart entstehen Shopping Mall, Wohneigentum und Restaurants und weitere Freizeiteinrichtungen am nun umzubauenden Bahnhof. Das Berliner Bikini Haus, ein ebenso eigenwilliges wie markantes Werk der Nachkriegsmoderne am Bahnhof Zoo, soll gleichermaßen neu für den Stadtraum gewonnen werden. Büro, Shoppen und Wohnen auf hohem Highlight-Niveau. Es sind die Planungen, die Gentrifizierung, so das Wort aus dem Englischen, was für innerstädtische Aufrüstung und Umwertung gewachsener Strukturen steht.

Investition in die Stadtkultur

Im Normalfall soll durch Investments einer vorhandenen Bewohnerschaft und Kult-Einrichtungen, wie dem Molotow Club, die zukünftige Nutzung unmöglich gemacht werden. Somit sollen die im Dornröschenschlaf liegenden Filet-Grundstücke, wie es die Esso Häuser sind, einem frisch fließenden Kapital zukommen.

Doch die Rechnung ist ohne den Wirt gemacht: Und der ist in Hamburg auch eine solche Institution wie der Molotow Club. Nur durch diese eigenwilligen Gewächse aus städtischem Leben und Musikkultur lebt der Kiez. Die Esso Häuser sollten als Wahrzeichen zugunsten einer lebendigen Stadtkultur erhalten werden, der Investor kann sich dabei kreativ einbringen!