In historischen Romanen wie „Tod und Teufel“ von Erfolgsautor Frank Schätzing oder „Die Hexe von Köln“ der Amerikanerin Tobsha Learner entfaltet sich das mittelalterliche Köln in all seiner Pracht. Ein neues Brettspiel mit dem schlichten Titel „Colonia“ erlaubt nun, selber ins Geschehen einzugreifen. Als Oberhaupt einer Patrizierfamile liegt das Schicksal der Stadt nicht unwesentlich in der eigenen Hand.

Der Reliquienhandel sei es gewesen, der den Spieleautor Dirk Henn („Alhambra“, Spiel des Jahres 2003) auf die Spur gebracht hätte. Mit körperlichen Überbleibseln oder Besitztümern von Heiligen ließ sich die eigene Machtposition stärken und das Ansehen bei der Kirche erhöhen. Warum also diese historische Merkwürdigkeit nicht zum Ziel eines Brettspiels machen?

Die Idee: Als Oberhaupt einer Patrizierfamilie im Köln des Mittelalters (damals unter dem Namen „Colonia“) muss man seine Stellung im Rat der Stadt stärken, um möglichst viel Einfluß bekommen zu können. Ohne bei der Kirche ein Stein im Brett zu haben, ist das jedoch nicht möglich. Also muss man tunlichst dafür sorgen, jene bedeutenden Artefakt in die Hände zu bekommen, die bei den Gesandten aus Rom besonders begehrt sind: Reliquien. Um diese erwerben zu können, ist jedoch erst einmal jede Menge Vermögen notwendig. Und da in der größten Metropole des „Heiligen römischen Reiches deutscher Nation“ der Handel blüht, generiert man über ihn auch das meiste Kapital.

Rohstoffe müssen erst erworben, dann zu Waren verarbeitet und schließlich verschifft werden. In den Hansestädten Brügge, Bergen, London und Nowgorod lassen sich dann mit dem erwirtschafteten Geld die begehrten Reliquien kaufen und der Kirche darbieten. 11 Stück und einen Schrein gibt es insgesamt. Um sie kämpfen die insgesamt bis zu 6 Spieler.

Als Strategiespiel und mittelalterliche Wirtschaftssimulation funktioniert „Colonia“ gleichermaßen. Der Spielplan besteht aus einem Mittelteil und 7 Außenteilen, von denen jeder einzelne einen anderen Bereich der Stadt repräsentiert (Marktplatz, Hafen, Rat etc.). Gespielt wird mit Karten und Holzwürfeln (in der „Collector´s Edition“ sind es kleine Holzfiguren), Schiffen, Rohstoffen und Warenplättchen. 6 Runden strukturieren den Verlauf, jede steht für eine Woche mit 7 Tagen, von denen jeder für eine andere Aktion steht (z.B. Rohstoffe erwerden, verarbeiten, verschiffen usw.).

Mit einer Spielzeit von 90 bis 120 Minuten ist der Verlauf überschaubar und für einen geselligen Abend ideal. Empfohlen ab 12 Jahren erscheint „Colonia“ im Verlag Queen Games und kostet 39 Euro.