Der Flohmarkt an der Straße des 17. Juni ist eine wöchentliche Kuriositätenschau mit hohem Vergnügungswert – solange man nichts kauft.

Menschen am Sonntag sind anders: Sie gehen anders, sprechen anders, lachen anders – der Sonntag, scheint’s, bringt in uns den Flaneur, den Genießer, den Zeitkönig hervor. Für Berliner gilt das vielleicht besonders: Die Boulevards, Cafés und Parks der Hauptstadt laden zum Müßiggang ein. Weil der Berliner aber zugleich pragmatisch ist, flaniert er gerne über die verschiedenen Märkte der Stadt; und als einer der berühmtesten gilt der Trödelmarkt an der Straße des 17. Juni. Gestern habe ich ihn mal in Augenschein genommen.

Es gab dort einen Stand, der allen Ernstes alte, verrostete Schlüssel verkaufte – bundweise. Ein anderer versuchte, mich zum Kauf eines Pelzmantels zu überreden; ein Angebot, das ich mit Verweis auf meine schöne Jacke dankend ausschlug. Hier und da blitzten zwar verlockende Kleinode auf – gesammelte Merian-Hefte der letzten zwanzig Jahre etwa oder verspielte Türklinken aus dem vor-vorigen Jahrhundert -, aber insgesamt überwog der Trödel: Standuhren, Kleiderbügel, Marderpelze, kaputte Plattenspieler, Plastikspielzeug, angelaufenes Geschirr, und so weiter. Alles was in den Kleinanzeigen der hiesigen Gazetten keinen Platz gefunden hätte, wird hier vertrieben.

Nach einer halben Stunde hatte ich genug davon, mich mit anderen Sonntagsmenschen um einen der wenigen Bücherstände zu drängen, und verlor mich irgendwo in den eintönigen Straßen Charlottenburgs. Wieso dieser Marktplatz so berühmt ist – rätselhaft. Den nächsten Sonntag verbringe ich mit Kaffee und Buch: zuhause.