Barack Obamas Rede am Pariser Platz haben 200.000 Berliner verfolgen können. Der geneigte Beobachter fühlte sich in die EM-Zeit zurückversetzt, nur dass die geschwenkten Fahnen dieses Mal amerikanisch waren und es trotz aller schönen Worte eigentlich um Politik ging.

Also – die Atmosphäre war schon krass. Was das Wahlkampfteam rund um den US-Senator da zusammenbekommen hat, stellt alles, was unsere Politiker so anstellen, in den Schatten. Übrigens hat Obama auch in seinem Heimatland noch nie vor so vielen Leuten geredet.

Und da beginnt auch mein Problem mit der ganzen Sache.

Ich finde es verständlich, dass so viele Leute Obama reden hören wollen. Schließlich repräsentiert er den erhofften Machtwechsel in Amerika. In erster Linie bietet er einen Gegenentwurf zu Bush und gerade für die vielen Amerikaner, die in Berlin wohnen, dürfte die Rede ein Highlight gewesen sein. (Siehe die Kommentare zum ersten Obama-Beitrag)

Trotzdem. Der Hype, der um diesen Mann gemacht wird, rührt von folgenden drei Punkten her: Er ist Demokrat, er ist schwarz, er ist nicht George Bush.

Reicht das aus, um diesen Grad der Verherrlichung außerhalb Amerikas zu rechtfertigen?

Obama ist nicht Präsident der USA. Obama ist ein US-Senator.
Barack Obama hat hier die bisher größte Rede seiner Laufbahn gehalten. In der Rede ging es, neben einer Menge schöner Worte übers Brücken bauen und der Bedeutung von internationalem Frieden, konkret darum, dass Deutschland sich aktiv an den Kämpfen in Afghanistan und im Irak beteiligen soll.

Das ist eigentlich nicht im Interesse Deutschlands, und dürfte schon gar nicht im Sinne der trotzdem jubelnden Berliner gelegen haben, schließlich war Berlin eines der Zentren der Anti-Irak-Kriegs-Bewegung. Ein paar Ecken weitergedacht sendet dieser Auftritt ein etwas merkwürdiges Signal an den Rest der Welt. Barack Obama wird in Berlin von mehr Leuten bejubelt als bisher sonst irgendwo. Er sagt den Deutschen, sie sollen sich gefälligst wieder am Krieg beteiligen und die jubeln trotzdem. Mich erinnert die Situation ein wenig an die Besuche von US-Politikern von vor 20 Jahren, als die Abhängigkeit Deutschlands von den USA noch offensichtlich war.

Das ist heutzutage eigentlich nicht mehr so – trotzdem machen wir alle brav Männchen, wenn der demokratische Präsidentschaftskandidat der Amerikaner vorbeikommt, um ein bisschen Ruhm für den Wahlkampf abzugreifen.