Bislang waren Wolfgang Niedecken und der Kölner Karneval – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – einander spinnefeind. Umso überraschender wurde seine Bereitschaft aufgenommen, für den kommenden Rosenmontagszug zwei Wagenmotive mit politischem Hintergrund zu entwerfen.

Im Allgemeinen haben Karnevalshasser immer gerne mitgesungen, wenn BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken intonierte, er bliebe „nit för Kooche“ an Karneval in Köln. Heute glättet er die Wogen und betont, das Lied seie in einem bestimmten Zusammenhang und zu einer ganz anderen Zeit entstanden. Als Kind habe er am Severinstor immer den Rosenmontagszug bestaunt und selber einmal als Karnevalsprinz auf der Bühne gestanden. Kann man sich mehr zu seiner Heimatstadt bekennen? Kaum.

Jetzt hat Niedecken gar zwei Wagen für den Rosenmontagszug entworfen. Zugleiter Christoph Kuckelkorn hatte das Thema Afrika aufgreifen wollen und Niedecken in dessen Funktion als langjährigem Botschafter der Kampagne „Gemeinsam für Afrika“ um fachliche Beratung gebeten.

Zusammen mit den Wagenbauern Ernst Edgar Hillebrenner und Dietmar Willm entstanden zwei Motive, die das Thema ebenso kritisch wie humorvoll angehen. Einer der beiden Wagen wird ein gut situiertes Ehepaar zeigen, das sich den Fernsehabend nicht von Berichterstattungen über die einschneidenden Probleme des schwarzen Kontinentes verderben lasen will. Titel „Wegjezäppt!“ Der zweite Wagen persifliert unter der Überschrift „Dä Sponsor kütt“, wie sich westliche Industrielle und einheimische Diktatoren ausgiebig an diamantenschürfenden Kindern bereichern.