Spätestens seit der Single „Ich hol dich da raus“ mit ichundich- Sänger Adel Tawil dürfte Azad für mehr als „nur“ die relativ kleine Masse der Hörer deutschen Raps ein Begriff sein. Der Frankfurter Rapper, dessen Crew „Warheit“ mit Texten über und aus Frankfurt aufwartet, startete seine Solo- Karriere 2001 mit dem deutschsprachigen Album „Leben“.

Zu diesem Zeitpunkt war Azad bereits gestandener Rapper, Breaker, Sprüher, DJ und Produzent. Sein erstes kommerziell zu kaufendes Album brachte damit eine Vielfalt, mit der andere Produktionen nicht mithalten konnten. Meiner bescheidenen Meinung nach haut das Album auch heute noch eine Menge von dem Zeug weg, was sich mit Knarren und Goldketten behängt in Sonnenbräune als Killer präsentiert.
Die Tracks „Freiheit“, „Leben“, „HipHop“… das gesamte Album bietet stimmigen, in sich geschlossenen Sound, die Beats sind zum Großteil von Azad selbst produziert.
Am Schluss steht nach dem krassen „7 Lektionen“- Disstrack der Hidden Track „Therapie“: Mit ein Grund, warum das „One“ Album von Azad und Kool Savas schon im Vorfeld so stark bejubelt wurde.

Dabei hat sich der Frankfurter MC ähnlich wie sein Berliner Kollege über die Jahre musikalisch entwickelt und damit stark verändert. Gerade bei Rapmusik kommen da schnell Vorwürfe in Richtung „Sellout“ und Mainstream, die hier aber größtenteils unangebracht sind.

Klar, zwischen „Leben“ und dem neuesten Album „Blockschrift“ liegen Welten, auch „One“ ist vollkommen anders als das Frühwerk Azads. Heutzutage produziert der MC nur noch selten selbst, lässt lieber hauseigene Musiker seines Labels Bozz- Music an die Regler.

Auch hat sich, gerade bei One und „Ich hol dich da raus“, ein ziemlich poppiger Sound gebildet. Die erfolgreichen Azad- Lieder sind halt Chart- Tracks, die meistens mit einer gesungenen Hook und angenehmem Beat aufwarten. Man sollte aber nicht vergessen: Dieser Typ bringt neben „All 4 One“ auch Dinger wie „TNT“ raus und ist technisch weiterhin unangefochten einer der besten Rapper in Deutschland.

Mir persönlich gefällt die Gangster- Schiene, die seit „Game Over“ fester Bestandteil des Repertoires geworden ist, zwar nicht, aber ich denke auch nicht, dass man das unter „Einfallsloses Klischee“ abschreiben darf. Gäbe es einen Goethe- Preis für Rapmusik- Azad sollte ihn kriegen.