So fröhlich und harmlos sich der Kölner Karneval heute gibt, so dunkel war seine Geschichte in den Zeiten des NS-Regimes. Von der Sitzung bis zum Rosenmontagszug wurde von den Machthabern alles genau kontrolliert und instrumentalisiert. Eine Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum widmet sich derzeit ausführlich diesem Thema.

EL-DE-Haus

Das Bild vom Kölner Karneval unter nationalsozialistischer Herrschaft hatte lange Zeit nicht nur äußerst wenig mit der Realität zu tun, sondern verhinderte auch eine detaillierte Auseinandersetzung mit den tatsächlichen historischen Verhältnissen. Erst zu Beginn des neuen Jahrtausends setzte die kritische Auseinandersetzung in breiterer Form ein und half, die irrige Sicht auf das bunte Treiben am Rhein zu korrigieren.

Anfang 2010 hatten die Historiker Carl Dietmar und Marcus Leifeld unter dem Titel „Alaaf und Heil Hitler“ bereits eine umfangreiche Studie zum Thema „Karneval im Dritten Reich“ veröffentlicht. Im vergangenen November schloss sich das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln an und eröffnete die Ausstellung „Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz“ mit dem Ziel, einen detaillierten Blick auf die Entwicklung des Kölner Karnevals zwischen 1933 und 1945 zu ermöglichen.

Die Exponate sind vielfältig und sprechen alle Sinne an: Filmsequenzen, Fotografien aus Privatarchiven, Tonaufnahmen im Original und in nachgesprochener Fassung, sowie weitere seltene Ausstellungsobjekte unterschiedlicher Art. Unterteilt ist die Ausstellung in vier Hauptbereiche, von denen sich der erste mit der Gleichschaltung der Karnevalsgesellschaften beschäftigt, der zweite mit dem Rosenmontagszug, der dritte mit dem Sitzungskarneval und der vierte mit den Biografien bekannter Karnevalisten der Zeit.

Das Festkomitee Kölner Karneval trug mit einer Reihe von bis dato unveröffentlichten Dokumenten zur Ausstellung bei und will nach dem 4. März Teile ins Karnevalsmuseum übernehmen.

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NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln

Öffnungszeiten Sonderausstellung:
Dienstag bis Freitag 10 bis 18 Uhr

Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr
Erster Donnerstag im Monat (außer an Feiertagen) 10 bis 22 Uhr

Eintrittspreise:
regulär 4,20 Euro
ermäßigt 1,80 Euro
Freier Eintritt für Schülerinnen und Schüler Kölnerinnen und Kölner unter 18 Jahren